Aus Melbourne stammen The Paper Kites, am Freitag stellt der Fünfer mit Twelvefour (Nettwerk/Soulfood) sein zweites Full Length Album endlich auch seinem europäischen Publikum vor. Gemäß seines Titels in der kreativen Hochzeit zwischen Mitternacht und vier Uhr morgens von Chefdrachen Sam Bentley ersonnen, erweist sich der Zweitversuch als Dokument einer teils erstaunlichen, teils grandiosen Selbstüberwindung. Aus dem durchweg zu harmlosen Folkrock mit Country-Anleihen des Debüts States (2013) ist ein dunkel schillerndes Kompendium gemischter Gefühlswelten geworden, das mit jedem Durchlauf an Tiefe und Faszination gewinnt.

The Paper Kites: "Twelvefour" (Nettwerk/Soulfood)
The Paper Kites: „Twelvefour“ (Nettwerk/Soulfood)

Allerspätestens beim 5. Track (Neon Crimson) drängt sich sich ein Vergleich auf, der es in sich hat: das famose A Thousand Last Chances-Album der schwedischen Eskobar. Das gleichsam tastend Zweifelnde wie überzeugend Zuversichtliche, mit dem Sam Bentley auf Twelvefour seinem Songwriting eine ungeahnte emotionale Griffigkeit entlockt, schließt zu dem genanten Meisterwerk aus dem Jahre 2004 beflissen auf.

Im weiteren Verlauf werden sogar Assoziationen zu Simon & Garfunkel legitim. Vorausgesetzt, der wiederum gerne an die besten Momente von Crowded House erinnernde Pop-Appeal (mit ultra-feinen Twee-Anklängen) wird nicht als Kernargument kontra dem prominenten Schulterschluss ins Spiel gebracht. Aber was waren denn Simon & Garfunkel, außer gut gemachtem (Folk-) Pop?!

Des Albums Höhepunkt erfolgt am Schluss: Too Late, eine bittersüße Ballade noir, mit einem betörend desillusionierenden Vibe ausgestattet, der vieles zusammenhält, aber keinerlei Pastiche verspricht. Ob als Engtanzvorlage oder Schmachtfetzen der eleganten Art: Hier bündeln The Paper Kites noch einmal ihre neu entdeckten Kräfte und Fähigkeiten. Und bringen sich so in beste Erinnerung. Potenzial, Geschmack und Gefühl, mit einem begrüßenswerten Restwert an Diskretion und Scheu vor aufgesetztem Sentiment unter Beweis gestellt: An Twelvefour gibt es nichts auszusetzen. Carpe noctem.

Electric Indigo:
vimeo.com/132084877

thepaperkites.com.au
facebook.com/thepaperkitesband

 

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