Eine mitreißende Mixtur aus dem Wiener Repertoire um Johann Strauß und die von ihm begründete Dynastie vermochte das Publikum im Jenaer Volkshaus nach den ruhigeren ersten Januartagen 2016 am heutigen Nachmittag in Schwung zu versetzen.

Vor der Kulisse eines Wiener Gesamtensembles spielte das tschechische Kammerorchester mit musikantischer Perfektion (Agnieszka Mederer).
Vor der Kulisse eines Wiener Gesamtensembles spielte das tschechische Kammerorchester mit musikantisch belebter Eleganz (Agnieszka Mederer).

Zu danken war dies einmal der Kammerbesetzung der Prager Philharmoniker um den exquisiten Violinsolisten Stefan Kania, der Ausnahme-Sopranistin Ginger McFerrin und Anna Klamo mit dem brillant sekundierenden Tenor Mario Papian an ihrer Seite. Das Johann-Strauss-Ballett setzte den Walzer und die Polka in ebenso tänzerisch perfektionierten wie akrobatischen Momenten schwungvoll beinahe 1:1 in die wirkliche Sphäre eines Wiener Ballsaals um.

Das Johann-Strauss-Ballett brillierte mit Variationen der Polka und des Wiener Walzers und brachte so den noch fehlennden Schwung ins neue Jahr 2016 (Agnieszka Mederer).
Das Johann-Strauss-Ballett brillierte mit Variationen der Polka und des Wiener Walzers und brachte so den noch fehlennden Schwung ins neue Jahr 2016 (Agnieszka Mederer).

Neben „Highlights“ aus den Operettenschatullen von Johann Strauß Vater und Sohn, Carl Zeller, Franz von Suppé und Carl Millöcker gab es auch ein italienisches Opernduett zu hören und den Anspielungen der Moderation folgend schließlich Jacques Offenbachs CANCAN ganz am Ende dieses „Fests der Operette“. Abgesehen von der Frage, warum das Volkshaus Jena oder die Prager Agentur für den weit besser als nur solide spielenden Pianisten kein anderes als ein E-Piano zur Verfügung stellen konnte, setzte allerdings die Kostümierung der Zitherspielerin nicht gerade einen passenden „Wiener Akzent“ an einem Konzertnachmittag, der von der Eleganz des Balletts und des Wiener Walzers lebte.

Weltklasse-Sopranistin Ginger McFerrin in der Zigeunerarie im Volkshaus Jena am 10. Januar 2016 (Agnieszka Mederer).
Weltklasse-Sopranistin Ginger McFerrin singt die Arie der Zigeunerin im Volkshaus Jena am 10. Januar 2016 (Agnieszka Mederer).

Einen musikalischen Höhepunkt zündete Stefan Kania mit seinem ganz in Zigeunermanier gehaltenen und durch vielfältige Spieltechniken angereicherten „Solo mit Pianist“ aus dem Vogelhändler. Natürlich durfte unter dem Motto „Traum-Melodien der Operette“ ebenso wenig An der schönen blauen Donau fehlen wie die anmutige Pizzicato Polka, der Kaiserwalzer und der Radetzkymarsch gegen Ende. Den Solotänzerinnen und Musikern war großes Vergnügen anzumerken, denn manche von ihnen sind mit dem leicht-beschwingten und dennoch ausführungstechnisch höchst anspruchsvollen Repertoire der Operette und des Walzers nicht täglich auf Tournee, sondern im Opernballett oder in der Oper und auf der Liederbühne zu erleben.

 

 

Von Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler aus München; Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.

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