Louwrens Langevoort, Gesamtleiter und Geschäftsführer der Acht Brücken GmbH und Intendant der Kölner Philharmonie, betont zu Beginn der Pressekonferenz, dass es dem diesjährigen Festival nicht daran gelegen sei, geistlicher oder dezidiert religiös motivierter Musik ein Forum zu bieten. Es sei vor allem die Spiritualität, der sich auf vielfältiger Vollzugsweise genähert werden solle. Und da jede Annäherung eine Erfahrung ihres Gegenstands zwangsläufig inkludiert, so möchte man seinen Gedanken fortführen, wird Acht Brücken 2016 unter dem Motto „Musik und Glaube“ auch an jene Transzendenz rühren, die leider allzu häufig dem Intellekt unterliegt oder dem relideologischen Dünkel geopfert wird.

Acht Brücken: Musik und Glaube (Key Visual, Ausschnitt; achtbrücken.de)
Acht Brücken: Musik und Glaube (Key Visual, Ausschnitt; achtbrücken.de)

Dass eine Aufführung von La Transfiguration de Notre-Seigneur Jésus-Christ (Olivier Messiaen) zum Kontingent der insgesamt 57 Veranstaltungen gehört, dürfte kaum überraschen. Überraschend erscheint indes die Wahl des diesjährigen Portrait-Komponisten. Nachdem im vergangenen Jahr mit Louis Andriessen ein dem Thema „Musik. Politik?“ offensiv nahestehender Genius auserkoren wurde, bedarf der übergeordnet thematische Zusammenhang mit Galina Ustwolskaja (1919 – 2006) einer Erläuterung.

Louwrens Langevoort zitiert hierzu aus einem Brief der russischen Komponistin. „Ich schreibe dann, wenn ich in einen Gnadenzustand gerate (…) Aufträge nehme ich nicht an.“ Zudem benötige eine Komponistin wie Galina Ustwolskaja ein Forum wie das Acht Brücken Festival. Dass Stücke für acht Kontrabässe im Repertoire der Orchester und in den Spielplänen der Konzerthäuser schwer durchzusetzen sind, ist eine Sache. Dass Galina Ustwolskaja dem Festival-Anspruch des Entdeckens in besonderem Maße gerecht wird, die entscheidende.

In diesem Sinne erinnert Louwrens Langevoort an den am 5. Januar verstorbenen Pierre Boulez, der als Portrait-Komponist der ersten Auflage von Acht Brücken, das Ansinnen, seine Musik zu erklären, mit dem Verweis entkräftete, die Musik der anderen auch nicht verstehen zu können. Hier kristallisiert sich der eingangs angesprochene Urzwist und dessen Überwindung in der Musik: Der Intellekt wahrt seine Grenzen und ebnet somit der Spiritualität einen Weg, auf dem sich die Mäeutik als didaktisch und teleologisch offene Empfehlung bewährt.

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