Böser Wolf zeigt sein wahres Gesicht (bigbad-wolf.com)
Böser Wolf zeigt sein wahres Gesicht (bigbad-wolf.com)

amusio: „In der Szene des düsteren deutschsprachigen Rock, wo üblicherweise nur der Bandkontext zählt, stellst du ein Unikat dar. Wo bleibt in diesem recht hart gesottenen Umfeld der Spaß an der Provokation?“

Böser Wolf: „Vieles, was in anderen Zusammenhängen als provokant oder anstößig empfunden werden würde, hat in der von mir bevorzugt besuchten Szene tatsächlich kaum noch das Zeug zum Aufreger. Die Tussi, über die ich mich in meinem Song auslasse, ist ja nie im Publikum anwesend. Die Tussis sind immer die anderen. Ich bin kein Gunter Gabriel, der sich aus dem Publikum einzelne Opfer für seine Verbalattacken herauspickt. Ich würde mein Publikum nicht beleidigen, niemals! Doch mein Nicht-Publikum zur Not durchaus (lacht). Von Albernheit bis Seriosität, das habe ich alles drauf. Oder auch jene Art, von der die Leute sagen: ‚Das ist so scheiße, dass es schon wieder geil ist. Auch das höre ich des Öfteren, doch ich weiß mittlerweile, wie sich Reaktionen steuern lassen.“

amusio: „Musikalisch hast du mit Reggae und Hiphop angefangen, später hast du Dancefloor produziert und die Tontechnik für Country-Music besorgt. Als Böser Wolf bist du nun ganz woanders gelandet. Hast du bewusst auf die aktuelle Nische hingearbeitet?“

Böser Wolf: „Ich finde diese Musik einfach geil, sei es Joachim Witt, Rammstein oder auch Stoneman. Mir war klar, dass ich aufgrund meiner vielfältigen Erfahrungen in anderen Musikstilen diesen Bereich unbedingt mit abdecken musste. Ich bin halt auch älter geworden, reifer, überlegter und, mit Verlaub, selbstironischer. In anderen Musikgenres nimmt man sich oft viel zu ernst. Das ist mir ähnlich ergangen.“

amusio: „Wie schon bei deinen Alben Märchenwald oder Kraft! hast du auch bei deinem nur bei Live-Konzerten erhältlichen Kompendium … einfach gute Musik – bei dem du aus Kostengründen sogar auf ein Booklet verzichtet hast – alles selbst gemacht. Gedenkst du auch weiterhin etwa auf die Dienste eines Labels verzichten zu können?“

Böser Wolf: „Es ist ein unbezahlbarer Vorteil, organisatorisch und künstlerisch alles allein und unabhängig stemmen zu können. Um mich davon abzubringen, müsste jemand schon tief in seine Tasche greifen (lacht).“

amusio: „Aber wenn es mehr werden sollte und die Konzentration auf Künstlerische litte…“

Böser Wolf: „…dann würde ich mir Hilfe suchen, klar. Ich bin kein Totalverweigerer des Business. Aber im Moment habe ich alles unter Kontrolle.“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert