20 Jahre „Siamese Dream“ – das Meisterstück der Smashing Pumpkins

Vor nicht ganz 20 Jahren, im Sommer 1993, legten die Smashing Pumpkins mit „Siamese Dream“ ein Werk vor, das weltweit sechs Millionen mal verkauft wurde und von der Kritik mittlerweile einhellig als eines der besten und prägendsten Rockalben der 90er Jahre anerkannt wird.

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Siamese Dream Albumcover. Quelle: smashingpumpkins.com

Siamese Dream Albumcover. Quelle: smashingpumpkins.com

Dabei war „Siamese Dream“ nicht unbedingt ein Trendprodukt des Grungezeitalters. Das Album war der Nachfolger des Debuts „Gish“, das ebenfalls große Aufmerksamkeit erhalten hatte und die „Pumpkins“ wie viele andere in die unangenehme Lage versetzte, als Nachfolger oder Konkurrenten von Nirvana gehandelt zu werden (auch „Pearl Jam“ wurde diese zweifelhafte Ehrung zuteil).

Die von Butch Vig produzierte, 13 Songs umfassende Platte hatte deutlich mehr zu bieten als die Grunge-typischen Elemente eines prügelnden Schlagzeugs, eines tiefen Sirup-Basses und eines krächzenden Sängers, der seiner Fender 3 oder 4 Power-Akkorde entlockt. Die Musik der vier Chicagoer Billy Corgan, James Iha, D’Arcy Wretzky und des schon damals schwer heroinabhängigen Ausnahme-Drummers Jimmy Chamberlain war eine Mischung aus verschiedensten Einflüssen.

Charakteristisch für diesen Meilenstein ist eine elegische, fast pathetische Gesamtstimmung, die sich durch alle dreizehn Songs zieht und allen voran von Corgans klagender Stimme, Streichern und Glockenspielen verstärkt wird. Viele Songs („Soma“, „Mayonaise“) beginnen wie in Watte gepackt mit luftigen, cleanen Gitarrenpassagen und melodiösen Soundwänden. Später wird die pfleglich aufgebaute Harmonie jäh von der einsetzenden Distortion weggepustet, die den Songs eine abrupt einsetzende, aggressive Note verleiht. Nie mehr knüpfte Corgan später an sein wildes, eruptives Solospiel aus „Siamese Dream“ an, das in Songs wie „Rocket“, „Geek U.S.A.“ und „Mayonaise“ gipfelte.

Die Band in den frühen Neunzigern. Quelle: smashingpumpkins.com

Die Band in den frühen Neunzigern. Quelle: smashingpumpkins.com

Denkt man an die neunziger Jahre aus musikalischer Perspektive zurück, so denkt man unvermeidlich an den großgewachsenen Glatzkopf Billy Corgan. Dafür ist der Geniestreich namens „Siamese Dream“ verantwortlich, nicht die verkopfte Verspieltheit des Doppelalbums und Nachfolgers „Mellon Collie and the Infinite Sadness“, noch weniger das später erschienene Experiment „Adore“, das man schon nicht mehr als Rockalbum bezeichnen konnte. Nur auf „Siamese Dream“ verstand es die Band, eine perfekte Mischung zu finden aus bombastischer Pop-Träumerei und rotziger Direktheit.

Im Grungejahr 1993 schossen die Pumpkins dreizehn mal aus der Hüfte, und trafen dreizehn mal in jedes schlagende Rockerherz.

Tracklist:

1. Cherub Rock
2. Quiet
3. Today
4. Hummer
5. Rocket
6. Disarm
7. Soma
8. Geek U.S.A.
9. Mayonaise
10. Spaceboy
11. Silverfuck
12. Sweet Sweet
13. Luna

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