Dem Wahl-Berliner Federico Albanese kommt anhand seines ab sofort erhältlichen Albums The Blue Hour die Ehre zuteil, das neue Sublabel von Berlin Classics – Neue Meister – sozusagen zu eröffnen. Hierzu dürfte ihn sicher nicht allein seine Standortnähe qualifiziert haben. Vielmehr die Güte seines Debüts The Houseboat And The Moon sowie zahlreiche Live-Aktivitäten, die aus dem zurückhaltenden Piano-Novizen binnen kurzer Zeit eine souveräne Künstlerpersönlichkeit geformt haben. Sein vorheriges Suchen und Zweifeln ist einer recht direkten Vorgehensweise gewichen, die sich nunmehr klar auf die Seite eines unbeeinträchtigten Schönklangs schlägt.

Federico Albanese: "The Blue Hour" (Neue Meister/Berlin Classics/Edel)
Federico Albanese: „The Blue Hour“ (Neue Meister/Berlin Classics/Edel)

Schon der Titel seines zweiten Albums spricht Bände. Literarische Originalität zwecks Umschreibung der thematisch intendierten Stimmungslage stand offenbar nicht auf dem Programm. Und so erfüllt The Blue Hour auch konsequent Erwartungshaltungen, die dem zwielichtigen Element ihrer Bedürfnisse dann doch nicht so recht über den Weg trauen. Verzärtelte Larmoyanz statt klarsichtiger Melancholie? Vielleicht.

Von Cello, Cello-Effekten und (ab und an gar nicht mal so) dezenter Elektronika unterstützte Piano-Klänge, die bei aller Klarheit der melodischen Führung immer wieder sehr gewollt ins lapidar Diffuse abdriften – daran war es Federico Albanese offenbar und offenbar ausschließlich gelegen. Und indem er jegliches Überraschungsmoment, jeglichen Bruch sorgsam ausgespart hat, ist ihm auch ein entsprechend makelloses Album gelungen. Bei aller Berechenbarkeit ist ihm jedoch und vor allem das Gespür für Wärme und Timing nicht verloren gegangen. Sein Verständnis für das emotionale Potenzial von Minimal Music erweist sich als absolut intakt.

Natürlich, so möchte man ausrufen, ist mit The Blue Hour ein Album zu verzeichnen, in das man zu versinken gewillt ist, während bittersüße Erinnerungen wie Wolken oder andere Himmelserscheinungen an einem vorüberziehen. Die übliche Rhetorik des Sehnens, Zehrens und Hoffens fände hier in toto seine passende Anwendung. Was an The Blue Hour stört? Einzig und allein der Umstand, dass nichts an ihm stört.

Federico Albanese live:

30.01. Köln (Basilika St. Aposteln, Ambientfestival)
05.03. Hamburg (Resonanzraum)
09.03. Karlsruhe (Jubez)
10.03. Düsseldorf (Forum Freies Theater)
11.03. Frankfurt/Main (Brotfabrik)
13.03. Berlin (Roter Salon)

federicoalbanese.com
facebook.com/federicoalbanesemusic

facebook.com/Berlin.Classics

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