Insbesondere in den Niederlanden schicken sich immer mehr Bands an, ein gewaltiges 60/70ies-Revival ins Rollen zu bringen. Sei es mit Beat’n’Garage (The Deaf), sei es mit psychedelischen Gewandtheiten, wie sie Pauw aus der Regio Twente an den bunt schillernden Tag legen. Kaum sind die Jahresabschluss-Show mit Birth Of Joy im Amsterdamer Paradiso sowie die Euro-Noorderslag-Präsentation geglückt, erfährt das in der Heimat top-gechartete Debütalbum Microcosm Macrocosm (Caroline/Universal) diesen Freitag endlich auch seine Deutschland-Premiere.

Pauw: "Microcosm Macrocosm" (Caroline/Universal)
Pauw: „Microcosm Macrocosm“ (Caroline/Universal)

Und schon bei den ersten Durchläufen leuchtet ein, warum der junge Vierer so mächtig abzuräumen imstande ist. Denn Brian Pots (Gitarre, Stimme – und was für eine!), Rens Ottink („Drüms“), Eszl du Vois (Bass, Keys) und neuerdings Kees Braam verstehen es, das musikalische Erbe in nahezu sämtlichen Facetten zu rekapitulieren – und dabei so derart frisch und unvoreingenommen zu klingen, als wollten sie schlicht nicht akzeptieren, dass dem offenherzigen Retro-Aspekt ihrer quicklebendigen Musik irgendetwas Altbackenes anhaften könnte.

So entfaltet sich im Anschluss an den unbehelligt flotten Opener Memories gar prächtiges Verweiswerk, sei es auf Floydsche Keys à la Meddle (Glare), hippieske Orientalismen (Shambhala) oder gar prä-metallische Abfahrten (Abyss). Oder es wird den Bands der ersten Retro-Welle aus den frühen Achtzigern – vom Schlage The Church – eine Referenz erwiesen (High Tide), bis bei Glare Pt. 2 sogar die Barry Hay-Gedächtnisflöte aufkreuzen darf.

Pauw beschränken sich also bei Weitem nicht auf die Konservierung eines vorab klar definierten Soundbilds. Sondern schöpfen aus den Vollen. Respektvoll respektlos greifen sie auf, variieren munter und gelangen so zu ihrem ganz eigenen Ausdruck von schöpferischer Kraft, den sie mit Lust und Liebe auszustatten verstehen. Hoffentlich bald auch auf bundesdeutschen Bühnen!

pauwband.com
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