Keda – Hwal

Die kooperative Geomungo

Es ist der unerschöpflich reizvolle Kontrast zwischen potenziell nicht-limitierter Elektronik und der Beschränkung auf die klanglichen Möglichkeiten eines einzigen Instruments: Auf Hwal (Parenthèses Records) treffen die von Mathias Delplanque eingesetzten Schwingungsregister auf die von E’Joung-Ju meisterlich gekonnte Geomungo koreanischen Ursprungs. Was deren sechs Saiten dem Album hinzuzufügen haben, wissen die oszillatorischen Nachfahren von allein sicher nicht so dezent zu stützen. Sprechen wir also lieber von einer künstlerischen Kooperation, die das Unerhörte an Hwal in die Welt bringt.

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Keda: "Hwal" (Parenthèses Records)

Keda: „Hwal“ (Parenthèses Records)

„Hwal“ bedeutet soviel wie Bogen – mit einem Bambusstock („Suldae“) entlockt die Koreanerin E’Joung-Ju ihrem favorisierten (und von ihr bereits mehrfach in Berührung mit Jazz, Weltmusik und Elektroakustik in Verbindung gebrachten) Instrument ein Klangspektrum, das zwar seine musikalische Tradition nie hinter sich lassen kann, sich aber dennoch als hervorragend geeignet erweist, um der Homogenität des Zusammenspiels einen gehobenen Dienst zu erweisen.

Begrüßenswert erscheint zudem die Veranlagung des atmosphärischen Settings. Insbesondere der Opener Dali, das sich anschließende Encore sowie der Titeltrack wählen eine dezidiert kontemplative Sprache, deren expressives Repertoire keinerlei selbstverliebte Leichtigkeit zulässt. Doch vermeidet die (live aufgezeichnete) Scheibe durchgängig den Kardinalfehler allzu unbehelligter Seinsvergessenheit, wie er häufig zutrage tritt, wenn exotisches Instrumentarium von idealisierten Zuständen zu künden hat.

E'Joung-Ju spielt Geomungo ("Swordfish", screen shot)

E’Joung-Ju spielt Geomungo („Swordfish“, screen shot)

Hwal bleibt selbst in seinen eingängigsten und „lebendigsten“ Episoden und Momenten (La Lune de Corée, Swordfish) verhaltend, suchend, skeptisch. Es ist das Album einer als kontinuierlich akzeptierten Auseinandersetzung mit endogener Schwere. Der Eskapismus von Folklore und Exotik findet hingegen kaum Anknüpfungspunkte. Dies gilt es hervorzuheben und in besonderem Maße zu belobigen, zumal seitens einer auf Wohlergehen beschränkten Rezeptionsleistung vermutlich Dünkel erhoben werden. Auch eine Geomungo braucht sich der Fügung post-industrieller Ratio nicht zu widersetzen, um (eben nicht nur als perkussives) Instrument angemessen repräsentiert zu werden.

Swordfish (Live @ Musée du Quai Branly):
youtube.com/watch?v=kRK_-JkO7L8

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