„Wer sich davon leiten lässt, wie Rockmusik ‚normalerweise‘ zu klingen hat, kann die Essenz des Rock’n’Roll nicht verstanden haben.“ Spricht das dänische Siamese-Kollektiv und schickt sich an, auf seinem autonomen Album (Prime Collective/Cargo) den Nachweis des eigenen Verständnisses zu erbringen. Dass dieses Verständnis keine Frage des größtmöglichen Konsens ist, unterstreicht der Sechser aus Kopenhagen mit virulenter Lust an der subtilen Stil-Provokation.

Siamese: "Siamese" (Prime Collective/Cargo)
Siamese: „Siamese“ (Prime Collective/Cargo)

Man macht es sich wohl zu leicht, würde man Siamese als erwachsene (und zugleich verspieltere) Ausgabe ihrer Landsleute von Carpark North erklären. Vermutlich würden Siamese angesichts dieses Vergleichs einen weiteren markigen Spruch raushauen. Doch wer wie sie zumindest an der Oberfläche so dermaßen auf Pop-Tunes setzt, braucht sich nicht zu wundern, wenn der latent verquere Ansatz zunächst einmal geflissentlich überhört wird.

Das frontal Überbordende der Tracks, in deren Verlauf es sich zudem doch recht konventionell gestrickte Verschnaufpausen gemütlich machen (The Chase), verstellt den Sinn für die mitunter gegen jegliche Striche gebürstete Dramaturgie zwischen den auf Umfang angelegten Melodien. Doch spätestens wenn sich nervöse (Ordinary) oder trügerisch entspannte (Bleed) Prog-Einschübe manifestieren, gerät die geschmeidige Form arg ins Straucheln.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert