Dag Taeldeman – Mount Olympus

Das ruhende Ereignis

Es ist ein Theater-Spektakel der Exzesse, das seine Uraufführung bei den letztjährigen Berliner Festspielen feierte: Mount Olympus – To glorify the cult of tragedy. Eine 24-stündige Total-Performance, mit der Choreograf/Regisseur Jan Fabre und Autor Jeroen Olyslaegers nichts weniger als einen „Angriff auf die Zeit“ wagen, samt Rückgriff auf zahlreiche antike Tragödienstoffe und einem Performance-Verständnis, das der Etymologie des Theaters mehr als gerecht wird: Als Raum zum Schauen. Zum Schaudern und Staunen. Widmen wir uns der Musik.

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Dag Taeldeman: "Mount Olympus" (Butler Records/H'ART)

Dag Taeldeman: „Mount Olympus“ (Butler Records/H’ART)

Es ist bereits die fünfte Kooperation von Jan Fabre mit dem Musiker und Produzenten Dag Taeldeman, der auch als Leader der populären Rock-Band A Brand (Riding Your Ghost) ein Betätigungsfeld gefunden hat. Angesichts der Veröffentlichung der Doppel-CD Mount Olympus (Butler Records/H’ART, ab Freitag) stellt sich die Frage, ob und inwiefern die auf gut zwei Stunden Laufzeit komprimierte Theatermusik auch autonom funktioniert.

Sie tut es. Wenn auch mit jenen Einschränkungen, die von einem etwas unentschlossen anmutenden Editing herrühren. So wirken manche Passagen nicht als musikalisch zwingend – und erweisen sich als Längen, die allein von der Imagination kaum kompensiert werden können. Dag Taeldeman gelingt es weiterhin nicht, den Verwendungszweck völlig abzustreifen. Aber er überzeugt, auch im Sinne der Veröffentlichung, mit kompositorischer Aufbauarbeit, die sich die gegebene Zeit zunutze macht und zur Versenkung einlädt.

So schlagen der Titeltrack, das Horn bei The Wet Dream oder der orientalische Touch bei Vasedance One prompt in ihren Bann. Vage Erinnerungen an Laibach (Krst Pod Triglavom) werden wach, wenn sich die Musik in erstaunlicher Weise vom theatralen Pomp emanzipiert und ein Eigenleben entwickelt. Vor allem wenn die Geschehnisse zur Ruhe zu kommen scheinen (The Dream Of Travelling Wig, The Dream Of Ajax The Shepherd, Vasedance Two), überstrahlen Atmosphäre und Kontemplation die geheiligten Mittel. Auch der Ausklang (Make-up Scene) gehört in diese Kategorie. Allein die vermeintlich offen gefassten Settings (wie etwa die offenbar wesensfremd interpretierten Techno-Club-Anleihen für Around The Body) bleiben aufgrund ihrer ungelösten Bindung zum theatralen Ereignis ein Zitat aus dritter Hand.

Weitere Aufführungen:

05.03. Sevilla (Teatro Central)
21.05. Wien (Wiener Festwochen)
24.09. Brüssel (Kaaitheater)

mountolympus.be

 

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