Venetian Snares – Traditional Synthesizer Music

Im Dienste der Heiterkeit

VCO, VCF, VCA, VCP, ADSR und Kabelsalat: Ab Freitag lässt Aaron Funk alias Venetian Snares verlautbaren, wie Traditional Synthesizer Music (Timesig/Planet Mu/Cargo) mit seiner Breakbeat-Fokussierung so klar kommt. Es ist wohl in erster Linie die Freude am sich selbst auf frischer Tat Ertappen, die den Mann aus Winnipeg dazu bewogen hat, auf seinem schätzungsweise dreiundzwanzigsten Album mal wieder eine für ihn bislang eher ungenehme Art des Musizierens zu bemühen. Im Ergebnis schlägt sich das Vergnügen daran doch wieder ganz auf die Seite des Hörers.

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Venetian Snares: "Traditional Synthesizer Music" (Timesig/Planet Mu/Cargo)

Venetian Snares: „Traditional Synthesizer Music“ (Timesig/Planet Mu/Cargo)

Um Humor bei der Forschungsarbeit war Aaron Funk noch nie verlegen. Man gedenke nur den Gabba-Goofs von Cavalcade Of Glee And Dadaist Happy Hardcore Pom Poms (2006) oder dem augenzwinkernden Aural-Privatporno Nymphomatriarch (2003). Und so tut es nicht Wunder, dass von seiner Traditional Synthesizer Music eine unschuldige Heiterkeit ausgeht, über die man sogar ins Lachen geraten darf.

Andererseits dürfte schnell deutlich werden, dass sich Aaron Funk keineswegs über den Gegenstand seiner vorliegenden Arbeit lustig macht. Sein Ringen um Modulation und Interpolation post-oszillativer „Natur“ in den Gefilden der Substrukturen, setzt sich recht schnell und entsprechend rechtschaffen gegenüber den ulkig bis obsolet anmutenden Sounds durch. Das (vermutlich gar nicht mal so freie) Fusionieren von Beat-Metaphorik mit blubbernd-zischend-fiepender Symptomatik gelingt – auch auf der Meta-Ebene der Rezeption.

Bei Traditional Synthesizer Music handelt es sich um ein durchaus nachgiebiges, und somit „hörbares“ Album. Dass dieser Umstand die Tradition keineswegs vorschreibt, dürfte auch Aaron Funk geläufig sein. Vielleicht wundert er sich nach wie vor, wie ihm Erzeugnisse gelingen konnten, deren Eigenleben sich mit der Innenarchitektur seiner Ideen assimilieren, ohne die Manipulation zweiten Grades anrufen zu müssen. Der Versuchung nachgegeben zu haben, den Synthies ihre Neigung zur Selbstvermenschlichung zu gönnen, dürfte weitere Veröffentlichungen nach sich ziehen. Bleiben wir also achtsam, gespannt – und ab und an auch mal argwöhnisch.

Magnificient Stumble v2:
youtube.com/watch?v=tbLt0S0W5jE

Lesetipp: How Venetian Snares‘ Homemade Modular Synth Inspired His New Album
thump.vice.com/en_ca/article/how-venetian-snares-homemade-modular-synth-inspired-his-new-album?utm_source=thumpfbca

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