Nachdem sein Vorläufer Nocturne längst zu den Spitzenerzeugnissen eines sowohl emotional als auch gedanklich weit gefassten Dream-Pop zählt, schickt sich Jake Tatum mit Life Of Pause (Bella Union/[PIAS] Coop/Rough Trade, ab morgen) an, sein perspektivisches Denken und Fühlen noch um einige Winkelzüge zu erweitern. Um Winkelzüge und – wenn man so will, sein Handeln betreffend – Schachzüge, an denen seine Kontrahenten (so es die denn überhaupt gibt) weniger zu knabbern haben dürften als diejenigen, die bei Nocturne mit Wild Nothing erst so richtig warm geworden sind.

Wild Nothing: "Life Of Pause" (Bella Union/[PIAS] Coop/Rough Trade)
Wild Nothing: „Life Of Pause“ (Bella Union/[PIAS] Coop/Rough Trade)

Es braucht schon eine Weile, bis spätestens die verschlungenen Gitarrenläufe von Alien endlich jenes lieb gewonnene Gefühl wieder aufleben lassen, von dem Jake Tatum doch so gut zehren konnte. Sein Spiel mit den scheinbar nur halbwegs ausgeführten Gesten, mit bedrückten und sogleich wieder erleichterten Seufzern, mit Spitzfindigkeiten, die den Verlockungen der Larmoyanz souverän widerstehen: Es ist auf Life Of Pause zu etwas Größerem herangereift, so groß und taktisch gewieft angelegt, dass sich die von ihm zuvor ins Visier genommene Liga nun als unangemessen unterklassig erweisen könnte.

Seine zuvor sicher geglaubte Verfasstheit im Geiste der Achtziger gerät ins Wanken. Umso bewundernswerter, wie es ihm gelingt, trotz der neu entdeckten Weitläufigkeit (der auf einmal auch eine gehörige Portion RnB oder auch Soul immanent zu sein scheint) letztlich doch – und immer wieder – zu sich selbst zu finden. Vom „ehrlichsten“ Werk zu sprechen, so wie dies Jake Tatum im Hinblick auf sein neues Album zu tun pflegt, ist da aller Ehren wert. Und alles ist wieder gut. Sehr gut sogar.

Wild Nothing live:

22.06. Hamburg (Knust)
23.06. Berlin (Lido)

wildnothingmusic.com
facebook.com/wildnothing

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