Interview mit Ipek Gorgun

„Ich erachte Komposition als Ausgangspunkt für fortlaufenden Wandel“

An einem Vormittag in Istanbul hat Ipek Gorgun zunächst noch einige Details im Vorfeld ihrer nächsten Seminare zu erledigen, bevor sie sich die Zeit für ein Gespräch nimmt, das neben ihrem Studium der Sonic Arts am ITU-MIAM (Istanbul Technical University-Center for Advanced Studies in Music) auch ihre jüngste Veröffentlichung – die CD Aphelion in den Fokus rückt. Doch wer die umtriebige und vielseitig talentierte Künstlerin kennt, wird zurecht vermuten, dass es bei diesen beiden Themen bei weitem nicht hat bleiben können.

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Auch als Photographin eine Wucht: Ipek Gorgun (Ipek gorgun)

Auch als Photographin eine Wucht: Ipek Gorgun (Ipek Gorgun)

amusio: „Hi Ipek, du verfügst über beeindruckend zahlreiche Interessen und offenbar über entsprechend viele Betätigungsfelder. Wie schaffst du das? Beherzigst du vielleicht besondere Methoden des Zeit-Managements, die du sogar empfehlen könntest?“

Ipek Gorgun: „Oh nein, gewiss nicht. In Sachen Zeit-Management bin ich eher eine ganz schlechte Ratgeberin. Und wenn auch ein anderer Eindruck entstanden ist, so bin ich keineswegs besonders beschlagen, wenn es ums Multitasking geht. Ich habe lediglich schon sehr früh einen großen Enthusiasmus für Dinge entwickelt, die mich interessieren. So habe ich mein erstes Gedicht im zarten Alter von neun Jahren verfasst. Dieses Interesse wurde zwar von meinen Lehrern begrüßt und bis zu einem gewissen Grad auch gefördert, doch habe ich mich aus eigenem Antrieb dazu entschlossen, mich intensiv und eingehend mit Poesie auseinanderzusetzen. Später kam die Musik, noch etwas später die Photographie hinzu. Im Zuge dessen habe ich irgendwann auch keine Hausaufgaben mehr erledigt, sondern versucht, mir Tag für Tag Freiräume zu verschaffen. Und sie auch zu nutzen. Auch während meiner beiden ersten Studiengänge bin ich nie nach einem vorab definierten Plan vorgegangen. Aber ich war immer ausgesprochen lern- und wissbegierig, auch über das Curriculum und die Tellerränder hinaus.“

amusio: „Das imponiert mir. Als ich studierte, war nebenher nur noch die Zeit für Partys über…“

Ipek Gorgun: „Party habe ich natürlich auch gemacht! Und das zumeist im Zusammenhang mit der Musik. Mit fünfzehn oder sechzehn Jahren ging das los, die Entdeckungsreise nahm Fahrt auf. Es ging vor allem darum, Leute kennenzulernen, Fanzines zu lesen und zu Konzerten zu gehen, die keiner Altersbeschränkung unterlagen. Im Alltagsleben auf der Straße sowie beim Abhängen mit den anderen Jugendlichen in Ankara konnte ich Kontakte knüpfen und somit meiner Neugierde weiteren Vorschub leisten. Je mehr Leute ich kannte und je mehr ich in Kontakt zu Musikern oder anderen Künstlern trat, desto neugieriger wurde ich. Und war stets daran interessiert, mir Kenntnisse anzueignen, um selber Musik machen zu können oder mich sonst wie künstlerisch zu betätigen. Und Parties gehörten selbstverständlich dazu. Aber die gingen nicht zwei Tage und Nächte lang durch, so wie bei euch in Deutschland, wenn ich das richtig mitbekommen habe…“

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