Am Freitag erscheint mit Sinister Shores (Eat The Beat Music/Rough Trade) ein atmosphärisch dichtes und in sich geschlossenes Album, das seinen tatsächlichen Debüt-Status der Glaubwürdigkeit geradezu beraubt. Wären da nicht Vincent Alex (Gesang), Sebastian Lesch (Gitarre) und Aaron Skiba (Gitarre, Bass) aus Bonn, die im Gespräch glaubwürdig vermitteln, dass an ihrem Erstling wirklich alles echt ist. Und dies sogar ohne sich allzu sehr davon beeindrucken zu lassen, wenn seitens des Interviewers – off the record – festgestellt wird, dass Drawing Circles als deutsche Antwort auf Daughter sicherlich nicht überbewertet sind.

Aaron, Vincent, Sebastian: Drawing Circles (Eat The Beat Music)
Aaron, Vincent, Sebastian: Drawing Circles (Eat The Beat Music)

amusio: „Hi Vincent, Aaron und Sebastian, euer Debütalbum erweckt den Anschein, als sei es konzeptionell konsequent an einer Album-Dimension ausgerichtet worden. Trügt der Schein?“

Sebastian Lesch: „Keineswegs. Als sich unserer Perkussionist von uns trennte, beschlossen wir, fortan mit dieser Limitation zu leben und uns auf einige Grundideen zu konzentrieren. So gelangten wir zu dem Entschluss, ein in sich geschlossenes Album angehen zu wollen, bei dem wir uns auf ein klar umrissenes Soundbild fokussieren würden. Wir haben also tatsächlich von Anfang an in besagter Album-Dimension gedacht und entsprechend gearbeitet.“

amusio: „Das ist angesichts eures jugendlichen Alters keine Selbstverständlichkeit. Seid ihr denn mit der Kunstform des Albums vertraut?“

Vincent Alex: „Absolut. Wir verfolgen den Werdegang zahlreicher Bands und machen ihn vornehmlich am Gesamtgehalt ihrer Alben fest. Wir sind allesamt überzeugte Album-Hörer.“

Sebastian Lesch: „Bereits bei unserem allerersten Konzert in einem Waschsalon war die Setlist wie ein Album aufgebaut. Schon damals verfolgten wir einen durchgängigen Flow sowie ein damit einhergehendes, recht klar definiertes inhaltliches Konzept, das die einzelnen Songs miteinander verband.“

amusio: „Neben seiner inneren Stringenz überzeugt Sinister Shores mit einem erstaunlichen Maß an Ausgereiftheit. Entspricht dieser Reifegrad einer vorab formulierten Intention oder ist er schlicht ein Ausdruck von dem, was ihr einfach machen musstet?“

Vincent Alex: „Wir haben den Moment des Entschlusses, ein Album zu schreiben und aufzunehmen, in uns selbst ausreifen lassen. Wir wussten, dass wir nur so an die Essenz unseres Materials gelangen würden. Schließlich stellt Sinister Shores auch einen gültigen Ausdruck emotionaler Dringlichkeit dar. Wir haben es sicher nicht darauf angelegt, ein Album zu erschaffen, um möglichst viele Hörer zu erreichen.“

amusio: „Grob bezeichnet ihr euren Stil als Acoustic Indie Rock. Daughter werden als Einfluss ebenso in Spiel gebracht wie etwa Hot Water Music. Angesichts der auf Sinister Shores vorherrschenden Stimmung – nicht von der Stimme her – könnte man sich auch an die Red House Painters oder an The White Birch erinnert fühlen…“

Sebastian Lesch: „Die kennen wir nicht, aber wir notieren uns diese Namen sehr gerne. Es ist immer interessant, Querverbindungen zu entdecken.“

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