Drawing Circles (Eat The Beat Music)
Drawing Circles (Eat The Beat Music)

amusio: „So haben heterogene Einflüsse zu einem homogenen Album geführt. Zu einem Album, dem eine Stimme ihren Stempel aufdrückt, die mit Fug und Recht den Anspruch auf Unverwechselbarkeit erheben könnte. Vincent, wie konnte es dazu kommen?“

Vincent Alex: „Bis dato habe ich noch keinen Gesangsunterricht genossen. Aber ich möchte nicht ausschließen, dass ich in Zukunft auf professionelle Unterstützung zurückgreifen werde. Früher habe ich in einer Metal-Band gesungen und mir dabei Techniken angeeignet, wie ich Schreien kann, ohne meine Stimme dadurch zu ruinieren. Sobald ich lauter werde, bricht meine Stimme und wird dadurch automatisch rau. Eine exaltierte Kopfstimme bekomme ich jedoch nicht hin. Ich könnte jetzt keine Beyonce-Songs nachsingen (lacht). Aber ich empfinde mich auch nicht als ein Sänger-Sänger. Ich haue halt viele Emotionen rein, vor allem live. Insofern würde ich mich als einen emotionalen und intuitiven Sänger bezeichnen.“

amusio: „Emotion ist ein gutes Stichwort. Auf Sinister Shores brechen sich Melancholie und Trauer an Aufbegehren und Wut…“

Vincent Alex: „Was die voneinander abweichende Akzentuierung betrifft, stimme ich dem zu. Unsere EP Tales Of An Arsonist war dagegen noch ausgesprochen wütend. Auch in den Texten trat viel mehr Aggression zutage. Auf unserem Album sind wir ruhiger geworden. Wurde früher alles ausgekotzt, erscheint nun alles wesentlich reflektierter. Die Themen werden aus kontrastierenden Perspektiven belichtet.“

amusio: „Welche Themen?“

Vincent Alex: „Ganz zentral geht es um die Schlaflosigkeit. Sie bildet die inhaltliche Grundlage. Nachts wachliegen, mit seinem Kopf allein bei sich selbst sein und dann die eigenen Gedankengänge analysieren. Ich denke, dass sich viele Menschen damit auskennen. Vielleicht verbirgt sich hier auch unsere Kernzielgruppe: die der Schlaflosen (lacht)“

amusio: „Nicht nur aufgrund der weit verbreiteten Insomnia dürfte Sinister Shores großen Zuspruch erfahren. Seid ihr bereits für den Erfolg?“

Sebastian Lesch: „Was auch immer passiert, wir ziehen das durch. Nur weil ich am nächsten Tag zur Uni muss, hält mich das doch nicht davon ab, abends einen Gig zu spielen. Andererseits ist seit der Fertigstellung des Albums schon wieder ein halbes Jahr ins Land gegangen. Die Euphorie hat sich etwas gelegt. Wir tragen keine rosarote Brille, sondern versuchen, die ganze Sache objektiv zu sehen und nüchtern anzugehen.“

amusio: „Doch die herausragende Qualität von Sinister Shores wird ihre Wirkung zeitigen…“

Sebastian Lesch: „Da sind wir gar so optimistisch, auch weil wir gegenüber uns selbst immer etwas destruktiv gewesen sind. Und – vielleicht sind wir es noch immer (lacht).“

amusio: „Der Text beim Songwriting: Problem oder Lösung?“

Vincent Alex: „Auch wenn manche Textpassagen nur unter Schwierigkeiten mit dem Flow in Einklang zu bringen waren, lassen wir es zumeist einfach geschehen. Die textlichen Endfassungen entstehen häufig in improvisierten Jamsessions. Zwar bevorzuge ich persönlich verschachtelte oder ausgeprägt bildhafte Lyrics, doch meine Texte sind relativ geradeaus gehalten. Ich denke, einen Mittelweg gefunden zu haben. Wie Linkin Park (lacht).“

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