Alleinunterhalter schweren Mutes

Noiserv im Blue Shell

In seiner portugiesischen Heimat trat David Santos bereits mit seiner ersten Veröffentlichung One Hundred Miles From Thoughtlessness eine Lawine baren Erstaunens los. Dass es ein Einzelner dank virtuoser Loop-Beherrschung vermochte, endogenes Sentiment schier orchestral zu überhöhen, ward fortan zur Vorbildfunktion einer gesamten nationalen Musikergeneration erkoren, die sich endlich ermutigte, sich von generischen Schablonen und dem ubiquitären Fado zu verabschieden.

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David Santos ist noiserv (facebook.com/noiserv)

David Santos ist noiserv (facebook.com/noiserv)

Dass noiserv rasch auch zu internationaler Reputation gelangte, wird niemanden verwundern, der das Phänomenale an David Santos nur einmal live erlebt hat. Am Donnerstag gibt es im Kölner Blue Shell, im Rahmen seiner (vermutlich zu) kleinen Deutschland-Tour, hierzu eine ausgezeichnete Gelegenheit.

Afonso Dorido (Indignu, Homen em Catarse) bezeichnete noiserve im Rahmen eines mit diesem Magazin geführten Interview als einen Musiker, der sich wie kein Zweiter der Greifbarkeit entzöge, ohne dass diese Eigenart ins Gewicht fiele. Vielmehr imponiere die Leichtigkeit, mit der David Santos unwillentlich seine Musiker-Kollegen brüskiere. Denn: Wozu noch eine Band unterhalten, wenn der kollektive Ausdruck ohnehin hinter dem individuellen Agens zurückzutreten habe?

Diese Bewertung zeugt von der Irritation, die noiserv hinterlässt, sobald sich seine musikalischen Visionen entfalten. Wer ihm dabei Taschenspielertricks unterstellen möchte, verkennt das traumhaft sichere Gespür, mit dem David Santos Magie entstehen lässt, ohne sich ihrer zu bedienen. Sein eigentümlich bescheidenes Auftreten ist keine Koketterie eines Unverstandenen. Vielmehr ein Ausdruck der Verwunderung über das eigene Gelingen.

(facebook.com/noiserv)

(facebook.com/noiserv)

Mag sich noiserv auf seinem zweiten Album Almost Visible Orchestra auch ein wenig von seiner beherzten Zaghaftigkeit distanzieren, so bleibt doch der emotional invasive General-Tonus expressiver Introspektion erhalten. Es ist anzunehmen, dass im Blue Shell (wie anderswo vermutlich auch) eine ephemere Kathedrale im Kleinformat eröffnet wird. „Walk gently through the gates of joy“, möchte man mit dem Hafler Trio sagen. Was dem noch hinzuzufügen ist, bleibt dem einzigartig großartigen David noiserv Santos überlassen. Seid gespannt und lasst euch – mit einem federleichten Hang zur Schwermut – entspannen. Am Donnerstag, natürlich im Shell.

This Is Maybe The Place Where Trains Are Going To Sleep:
youtube.com/watch?v=CQZKiC7Jieo

Bullets On Parade:
youtube.com/watch?v=9JUuhPw2wfk&index=3&list=RDCQZKiC7Jieo

Some Song:
youtube.com/watch?v=Og_ZXvywHUU&list=RDCQZKiC7Jieo&index=19

Die weiteren Termine:

Heute Stuttgart (1210)
Morgen München (Milla)
12.03. Berlin (Auster Club)
13.03. Hamburg (Knust)

facebook.com/noiserv
blue-shell.de/events/noiserv/
noiserv.net

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