Gegen Ende der Karwoche erlebt mit Communication (Trocadero/Indigo) ein Album seine Wiederauferstehung, das nach seiner Erstveröffentlichung 2003 aufgrund widriger Umstände nur sträflich vernachlässigt werden konnte. Da dieses Album während seines Dornröschenschlafs in jeglicher Hinsicht nichts von seiner Gültigkeit eingebüßt hat, dürfte es vielfach wie ein gänzlich neues Album von Ex-Kraftwerker Karl Bartos begrüßt werden: Anknüpfungspunkt für ein Gespräch, das der bekennende Rheinländer mit Berchtesgadener Wurzeln zum Anlass nahm, über das Wesen der Musik grundsätzlich nachzudenken.

Karl Bartos (Patrick Beerhorst)
Karl Bartos (Patrick Beerhorst)

amusio: „Hallo Karl, als die Ankündigung vom Re-Release die Runde machte, wurde so manchem wohl erst bewusst, dass dein Album 2003 leider so ziemlich untergegangen war. Was hatte – neben dem Umstand, dass Kraftwerk fast zeitgleich ihren Soundtrack Tour de France veröffentlichten – dazu geführt? Und was hat dich – auch aus künstlerischer Hinsicht – dazu veranlasst, Communication erneut in die Welt zu tragen?“

Karl Bartos: „Als Anfang 2000 Communication entstand, geschah dies vor dem Hintergrund, live auftreten zu wollen. Also habe ich die Platte an meinen vorherigen Arbeiten mit Kraftwerk ausgerichtet, um insgesamt ein stimmiges Programm bieten zu können. Communication wurde sozusagen in mein bestehendes Repertoire hinein komponiert. Als ich dann 2013 mit Off The Record wieder in Deutschland tourte, haben mich viele Besucher nach Communication gefragt. Nicht zuletzt hat mich dieses Interesse dazu veranlasst, den Re-Release anzugehen. Zwar gab es im Vorfeld noch etliche Dinge zu klären, aber gemeinsam mit meinem neuen Label Trocadero steht dem zweiten Leben von Communication nun nichts mehr im Wege. Und darüber freue ich mich sehr!“

amusio: „Viele, denen Communication bislang entgangen war, werden deine Freude teilen…“

Karl Bartos: Anfang der Nullerjahre koinzidierten zwei Umstände, die zu dem damaligen Scheitern von Communication beitrugen. Mit dem flächendeckenden Aufkommen des Breitband-Internet implodierte der Musik-Markt. Es ächzte und krachte an allen Ecken und Enden. Die Industrie schmiss ein Label nach dem anderen aus dem Programm. So wurde auch Communication zu einem Rohrkrepierer, der so gut wie gar nichts verkaufte. In England kam die Platte gar nicht erst auf den Markt. Von einer vernünftigen Veröffentlichung konnte also gar keine Rede sein.“

amusio: „Werden deine Veröffentlichungen mit Elektric beziehungsweise Electric Music, also Esperanto und Electric Music, dem Beispiel von Communication folgen?“

Karl Bartos: „Die stehen hier im Regal herum und warten auch schon lange darauf, ein zweites Mal veröffentlicht zu werden. Und ich denke, ich werde ihr Sehnen erhören. Es nutzt ja nichts, wenn sie irgendwo auf einer Festplatte liegen und dort in Vergessenheit geraten. Musik will gehört werden. Dafür macht man sie ja.“

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