XXV Wave Gotik Treffen - Vorbericht Vier

Leipzig in schwarz – Interview

Am Dienstag wurde die Ausstellung „Leipzig in Schwarz – 25 Jahre Wave Gotik Treffen“ im Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig eröffnet. Eine Ausstellung, die sensibel jene Hintergründe erleuchtet, die dazu beigetragen haben, dass die sächsische Metropole längst zu einem Inbegriff der schwarzen Subkultur geworden ist. Indes wird nicht nur die mit den Jahren gereifte Interaktion von urbaner Kulturpolitik und subversiv agierender Individualität verhandelt. Auch der eigenartigen Symbiose, die Leipziger Bürger mit ihren internationalen Gästen verbindet, wird Augenmerk geschenkt. Wir sprachen mit der Kuratorin Dr. Johanna Sänger und Fachberaterin Jennifer Hoffert-Karas, die aus Liebe zu Leipzig ihren Lebensmittelpunkt aus den Vereinigten Staaten an den Ort des Geschehens verlagert hat.

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(wave-gotik-treffen.de)

(wave-gotik-treffen.de)

amusio: „Was war das Initial zur Ausstellung?“

Dr. Johanna Sänger: „Initial war, dass die Veranstaltung einen dermaßen großen Erfolg hat. Dass sie sich aus einer Krise befreien konnte und sich tief im Leipziger Gemeinwesen verankert hat. Für ein Museum ist es sicher untypisch, aktuelle Themen aufzubereiten. Doch wir sind das Wagnis eingegangen, weil wir Künstler, Besucher und Bürger einbeziehen konnten. In aktuelle Planungen waren wir nicht involviert.“

amusio: „Also gab es keinen musealen Ansatz?“

Dr. Johanna Sänger: „Nein, der Anlass ist das Jubiläum. Wir hatten bereits vor zwei Jahren eine Photoausstellung, die sehr gut angenommen wurde. Die Leipziger sind halt sehr an Kultur interessiert. Also wollten wir den Zaungästen noch mehr anbieten. Noch mehr erklären.“

amusio: „Könnte man von einem Schulterschluss zwischen den Leipzigern und der internationalen Gothic-Szene sprechen?“

Dr. Johanna Sänger: „Gute Frage. Anfänglich gab es wohl vereinzelte Ablehnung seitens der Bürger. Doch dann normalisierte sich das Verhältnis, bevor es umschlug. Heute sind die Leipziger stolz darauf, dass das WGT die gesamte Stadt ergreift und in einen als angenehm empfundenen Ausnahmezustand versetzt.“

amusio: „Es gab Ablehnung?“

Dr. Johanna Sänger: „Die Hinweise darauf stammen aus der Szene. Es gab wohl abfällige Blicke und – hier im Osten leider nicht unüblich – zum Teil erhebliche Auseinandersetzungen mit Rechtsradikalen. Mit Skinheads, die versucht haben, Konzerte zu stürmen.“

amusio: „Ist das passé?“

Jennifer Hoffert-Karas: „Ich komme aus den Staaten und wohne seit 2009 in Leipzig. Einmal im Jahr kommen meine Freunde aus aller Welt hierher, und niemand fühlt sich bedroht. Nein, von der gewaltfrei friedlichen Atmosphäre sind alle stets begeistert. In anderen Ländern werden Goths leider marginalisiert, teilweise müssen sie sich verstecken. Hier nicht.“

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