Interview mit Ghazi Barakat (Pharoah Chromium)

„Ich biete eine Alternative zur Musik”

Mitten in Kreuzberg lebt und arbeitet der Deutsch-Palästinenser Ghazi Barakat. Als Pharoah Chromium unternimmt der zuvor als alternativer Rockmusiker (The Golden Showers, Boy From Brazil) einschlägig bekannt gewordene Künstler dezidiert emotional unterwanderte Exkursionen in musikalisches Neuland. Sich sämtlicher Kategorisierungen entziehend und mitunter abstrus oder zumindest abseitig anmutende Themenfelder streifend, wagt er auf seiner jüngsten Veröffentlichung die Konkretisierung: Eine dokumentarisch-musikalische Darstellung der „Operation Protective Edge“ vom Sommer 2014, die den Ort des kriegerischen Geschehens im Namen trägt: Gaza.

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Pharoah Chromium (facebook.com/Pharoah-Chromium-268315233203121)

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amusio: „Hi Ghazi, deine Biographie weist sowohl in persönlicher als auch in künstlerischer Hinsicht ungewöhnlich viele Anknüpfungspunkte auf. Darum böte es sich an, wenn du dich kurz einmal vorstellst, bevor wir dann vom deinem allgemeinen Background aufs Spezielle deines Schaffens und somit auch auf deine jüngste Veröffentlichung Gaza zu sprechen kommen. Einverstanden?“

Ghazi Barakat: „Geboren wurde ich 1965 in Frankfurt am Main als Sohn einer deutschen Mutter und eines palästinensischen Vaters. Aufgewachsen bin ich im Libanon und anschließend in Genf, wo mein Vater als ständiger Vertreter der PLO bei der UNO tätig war. Ausbildung und Abitur habe ich in der DDR absolviert. Über Wien bin ich dann nach Westberlin gezogen. Im Zusammenhang mit der Band Golden Showers befand sich mein Hauptwohnsitz zwischenzeitlich in den USA…“

amusio: „Die Golden Showers, eine Art Pendant zu den Cramps, richtig?“

Ghazi Barakat: „Ja, mit denen wurden wir sicher nicht zu Unrecht häufig verglichen. Nach meiner Rückkehr ins längst wiedervereinigte Berlin startete ich das Ein-Mann-Projekt Boy From Brazil, 2009 die Band The Assassinations, doch auch die war nur kurzlebig. Inzwischen habe ich mich von der Rockmusik abgewandt. Mit Mitte Vierzig kann ich mit ihr kein authentisches Gefühl mehr zum Ausdruck bringen.“

amusio: „So kam es zur Zusammenarbeit mit dem französischen Künstler Nicolas Moulin…“

Ghazi Barakat: „Und dies in vielfacher Hinsicht. Von der Cover-Gestaltung über die thematische Fassung meiner Alben bis hin zur Produktion. So etwa 2011 Azurazia, einer Arbeit, die überwiegend in Marokko eingespielt wurde und von der Idee des deutschen Architekten Hermann Sörgel inspiriert war, das Mittelmeer zu entwässern und Atlantropa entstehen zu lassen. Neben den Veröffentlichungen an der Seite von Nicolas Moulin habe ich mit Vodou Rallizes eine einseitig bespielte Platte zum Thema ihres Titels eingespielt sowie gemeinsam mit Günter Schickert OXTLR aufgenommen. Endlich fand ich die innere Ruhe, um mich ohne eine allzu akute Betroffenheit musikalisch mit dem Thema des Gaza-Kriegs auseinandersetzen zu können.“

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