Mit fließenden Übergängen zwischen Folklore und Kunst

Sri Lankas Trommeln und seine Theatermusik

Aus den Medien ist das frühere Ceylon mit seiner aktuellen Hauptstadt Colombo heute hauptsächlich durch den Tee und die Erfolge seiner Cricket-Nationalmannschaft bekannt, leider auch für den langwährenden und offiziell erst vor sieben Jahren beendeten Bürgerkrieg. Über viele Dezennien hatte das Land im Konflikt zwischen Singhalesen und Tamilen überdies die Folgen der Kolonialzeit aufzuarbeiten – scheinbar nicht die besten Voraussetzungen für eine dauerhafte Blüte der Künste.

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Auf Claudius Ptolemaeus' Weltkarte hieß das frühere Ceylon und spätere Sri Lanka Taprobana (Michel Servet 1535, Cosmographia Claudii Ptolomaei Alexandrini, p.d.).

Auf Claudius Ptolemaeus‘ Weltkarte hieß das frühere Ceylon und spätere Sri Lanka Taprobana (Michel Servet 1535, Cosmographia Claudii Ptolomaei Alexandrini, p.d.).

Die fünf Hauptrichtungen der dennoch reichen traditionellen Musik auf dem Inselstaat Sri Lanka haben wie in vielen Gesellschaften rituelle Ursprünge, die auf Naturphänomenen beruhen. Frühe Formen von folkloristischen Gesängen mit Instrumentalbegleitung zeigen vor allem buddhistische Einflüsse und wurden keineswegs alleine von Priestern, sondern von allen indigenen Einwohnern gepflegt. Wie auch in Bangladesh, Indien und Pakistan dominiert in der „klassischen“ Musik das System der Ragas, das seine Wurzeln in den bereits seit 1750 v. Chr. existierenden vedischen Ritualliedern hat.

Eines der hauptsächlich benutzten Trommelinstrumente auf Sri Lanka ist das zweiteilige Thamattama, das mit Stöcken gespielt und von der Dawula-Trommel begleitet wird (Nelliwinne, 12.6.2011, p.d.).

Eines der hauptsächlich benutzten Trommelinstrumente auf Sri Lanka ist das zweiteilige Thamattama, das mit Stöcken gespielt und von der Dawula-Trommel begleitet wird (Nelliwinne, 12.6.2011, p.d.).

Die meisten Musikstile, die dort heute noch en vogue sind, weisen einen engen Bezug zum Drama oder zu theatralischen Inszenierungen auf: Die eher einfache folkloristisch-urtümliche Spielart des Kolam im Südosten Sri Lankas geht auf exorzistische Rituale zum Zweck der Heilung zurück, trägt aber neben anderen Merkmalen auch solche der Komödie. In ihrer ganzen Struktur entspringt hingegen die Musik des tamilisch geprägten Nadagam dem Drama, wie es von südindischen „Schauspielern“ eingeführt wurde. Als früher Initiator gilt Philippu Singho von Negombo, der 1824 Harishchandra Nadagama in Hnguranketha aufführte.

Im Falle des Nurti handelt es sich eher um eine späte Entwicklung. Don Bastian von Dehiwala adaptierte diese Form des musikbegleiteten Bühnendramas aus Nordindien, die John de Silva entwickelte und mit der Inszenierung von Ramayanaya 1886 etablierte.

Die Landschaften der ehemals portugiesischen Kolonie gelten als besonders vielfältig, weitläufig und malerisch: Pigeon Island nahe Trincomalee (Dschen Reinecke, 14.7.2002, p.d.).

Die Landschaften der ehemals portugiesischen Kolonie gelten als besonders vielfältig, weitläufig und malerisch: Pigeon Island nahe Trincomalee (Dschen Reinecke, 14.7.2002, p.d.).

Auf die christlichen Hymnen des Geethika bezieht sich der vermischte Stil der „leichten“ Genres des Sinhala. Seine Orchester setzen sich überwiegend aus Trommeln sehr unterschiedlicher Provenienz zusammen, ohne die Tanzaufführungen nicht denkbar wären. Bei Thamattama, Yak-bera, Dawula, Udekki, Rabana, Gatabera und Thalampata handelt es sich nur um die wichtigsten; hinzu kommen im Blasensemble eine der Klarinette ähnliche Stimme, Flöten und vor allem das oboenähnliche Horanawa. Sinhala wurde von dem Musiker Ananda Samarakone eingeführt, der übrigens auch Sri Lankas Nationalhymne komponierte.

Die Skizze zeigt ein Ravanastron aus dem 19. Jahrhundert, dem Vorläufer der heutigen Violinform Ravanahatha auf Sri Lanka (US p.d.).

Ravanastron aus dem 19. Jahrhundert, dem Vorläufer der heutigen Violinform Ravanahatha auf Sri Lanka (US p.d.)

Außer den Hauptströmungen der religiös-hymnischen, theatralischen und rituellen Klangkultur der Insel gibt es natürlich ein breites – und in besonderem Maße verfeinertes – Spektrum weltlicher instrumentaler und vokaler Musik. Hier spielt der Gebrauch der geigenartigen Ravanahatha, die aus einer Kokosnuss, Bambus und Ziegenfell gefertigt wird, eine eminente Rolle. Während der Zeit der portugiesischen Besatzung fand auch westliche Musik Eingang in dem Mikrokontinent. Das Symphonieorchester von Sri Lanka gilt als eines der ersten in Südasien überhaupt.

 

 

 

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler aus München; Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.