Interview mit Johannes Motschmann

„Ich kann nur komponieren, wenn ich aus meiner Erfahrung schöpfe“

Johannes Motschmann: "Electric Fields" (Neue Meister/Berlin Classics/Edel)

Johannes Motschmann: „Electric Fields“ (Neue Meister/Berlin Classics/Edel)

amusio: „Also bist du in der privilegierten Lage, mit den Originalen arbeiten zu können. Das ist vielen musikalisch Tätigen nicht vergönnt…“

Johannes Motschmann: „Die Beschränkung auf Software kann ein guter Weg sein, um sich der eigenen Musik zu nähern. Aber es hat Gründe, dass man nach und nach doch schaut, wie man sich die Originale beschaffen kann. Zunächst wird man sie sich nach Möglichkeit leihen und anschließend dann doch erwerben wollen. Leider sind sie nicht billiger geworden. Es ist vielmehr ein turbulenter Markt entstanden, bei der eine zunehmend hohe Nachfrage auf ein weiterhin limitiertes Angebot trifft.“

amusio: „Doch was sagt diese Nachfrage über die Musik aus, wenn ihre Schöpfer heute in zunehmendem Maße nach Sounds verlangen, die von zum Teil verschollenen Synthesizern stammen?“

Johannes Motschmann: „Es ist wichtig, in beide Richtungen zu schauen. Alte Instrumente zu verwenden führt ja nicht zwangsläufig zur Altmodigkeit. Neue Software lässt sich etwa mit den alten Klängen füttern. Auch so kann etwas völlig Neues entstehen. Es geht nicht darum, das ältere Instrument zu verwenden, sondern das bessere! Oder eben darum, die Kombination anzugehen. Um etwas zu erzeugen, dass sich dem rein qualitativen Vergleich entzieht.“

amusio: „Sich dem Vergleich entziehen – ein guter Hinweis, um über deine Veröffentlichung Electric Fields zu reden. Mit ihr dürfte vielen Hörern auch dein Name erstmals begegnen…“

Johannes Motschmann: „Aber das ist doch klar, schließlich handelt es sich um mein Debüt! Um einen Startpunkt. Ich stamme aus dem Avantgarde-Bereich, wo man zumeist unter Ausschluss der Öffentlichkeit arbeitet (lacht).“

amusio: „Und dort liegen deine Wurzeln eher bei der sogenannten Neuen Musik? Oder doch bei der Klassik?“

Johannes Motschmann: „Aus einem klassisch-akademischen Umfeld erwachsen, fühle ich mich der Neuen Musik zugehörig.“

amusio: „Also mehr Boulez und Kagel denn Bruckner?“

Johannes Motschmann: „Gerade Bruckner, mit seinen weiten flächigen Klängen, weist viele Verbindungen zu dem auf, was moderne oder eben auch neue Musiker angeht. Und natürlich auch zur Popmusik. Die Komponisten meiner Generation sind pop-musikalisch sozialisiert. Haben sich also nicht von klein auf nur mit Bach, Beethoven und Stockhausen auseinandergesetzt. Wer Musik machen will, die ihn persönlich berührt, muss tatsächlich alles aufnehmen, was ihn beeinflusst hat. Das lässt sich kaum verhandeln. Man muss die Einflüsse deuten und filtern, vor allem aber zulassen. Ich kann nur komponieren, wenn ich aus meiner Erfahrung schöpfe. Auch ich habe mit fünfzehn Jahren die erste Band gegründet. Und auch das Improvisieren ist mir vertraut. Electric Fields ist ein Versuch, all das zusammenzubringen. Ich könnte nicht mal sagen, welcher Aspekt meiner Erfahrungen sich auf diesem Album am deutlichsten durchgesetzt hat…“

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