Nach The Revelation According To Frank Benkho veröffentlicht Mika Martini, Mitglied der Chilean Electroacoustic Community (CECh), ein weiteres Album auf dem dänischen Label Clang. Auf A Trip To The Space (Between) lässt der Architekt und Designer Martini sein Alter Ego Frank Benkho erneut fleißig und beflissen am Korg MS-10 sowie einer Vielzahl weiterer Klangerzeuger schrauben. Was vorgeblich der Improvisation entsprungen ist, weist indes derart plausible Substrukturen auf, dass der Glaube an die Macht der (Pseudo-) Aleatorik – im begrüßenswerten Sinne – Schaden nimmt.

Frank Benkho: "A Trip To The Space (Between)" (Clang)
Frank Benkho: „A Trip To The Space (Between)“ (Clang)

Doch selbst das Einspielen von Tonleiter-Melodien (wie beim Schlusstrack The Brightest Object of The Night Sky) mag zumindest einer spontanen Laune entsprungen sein. Frank Benkho hinsichtlich des verlautbarten Grad der Improvisation der Unglaubwürdigkeit zu zeihen, entbehrt letztlich jeglicher Evidenz. Hingegen erscheint die Marschroute der Veröffentlichung klar: Die Wahrheit ist irgendwo dort draußen.

Während dieses Dortige eingestandenermaßen unbeeindruckt gegenüber der exemplifizierten Wanderlust bleiben wird, vermag die Außenwirkung eine Inversion herbeizuführen: Die Reise zielt ins Innere desjenigen, der sich ihr aussetzt und fortan mit der Erfahrung von A Trip To The Space (Between) durchs irdische Dasein flieht.

No money, no planet: Wenn der Arcade-Spacer seinen (akustischen) Senf zur Sause beiträgt, offenbart sich die Diskrepanz zwischen dem Bewusstsein und allen weiteren Ebenen des Selbst, die es über-bewusst zu kaschieren oder zu bagatellisieren trachtet. Allein der Einsatz monetär-materiellen Guts eröffnet und schärft den Sinn für universelle Weiten. Ansonsten bleibt der Schirm schwarz oder wiederholt allenfalls eine animativ gemeinte Abfolge von Standbildern. Ohne den mehr oder weniger kostspieligen Rückgriff auf eine mediale Vermittlung, bliebe jegliche Welterfahrung eine naiv schauende und eindimensionale Angelegenheit.

Frank Benkho spielt mit dem Überraschungseffekt einer Kehrtwende, die dem fälschlicherweise simulierten Thema sämtliche metaphysichen Bezugspunkte abspricht. Und selbst der strengste Phantast wird sich dem Charme der egalitären Deutung nicht entziehen können: Es ist, was ist. Darüber hinaus verweist der Moment, und mit ihm alle Erkenntnis, allein auf sich selbst. Gut gezockt, der Herr.

Interview mit Frank Benkho:
youtu.be/xz70klR3et4

clang.cl/frank-benkho
facebook.com/mika.martini

dense.de

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