Ytamo - Mi Wo / Andrew Tuttle - Fantasy League

Someone Good News

Soeben hat der Avant-Pop Ableger Someone Good des australischen Labels Room40 mit gleich zwei Veröffentlichungen sein vorübergehendes Schweigen gebrochen. Mit Mi Wo der aus dem japanischen Nara stammenden Ytamo sowie Fantasy League des Brisbaniers Andrew Tuttle liegen zwei Alben vor, die mit ihrer eigentümlichen Herzlichkeit dazu imstande sind, erstaunliche Reaktionen hervorzurufen. Und somit Wirkungen zu zeitigen, die üblicherweise diverser Psychopharmaka zur Stimmungsaufhellung vorbehalten sind.

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Ytamo: "Mi Wo" (Someone Good)

Ytamo: „Mi Wo“ (Someone Good)

Die von ihren Kennern hochgradig geschätzte Ytamo erweist sich auf Mi Wo als Meisterin einer bescheiden inszenierten Überfülle. Das bedächtige Kommen und Gehen von Strukturen, Melodien und Sound-Settings erzeugt eine – vordergründig – betont harmlos anmutende Grammatik mustergültig flexierter Stilelemente. Dabei erweist sich ihre Autopoiesis als glaubwürdige Anmaßung eines musikalischen Ausdrucks, der selbst fein perforierte Rezeptionsfilter osmotisch zu durchdringen vermag. Sollte Ytamo dennoch auf Widerstände stoßen, würde sie den Skeptikern wohl das Abwarten und würdiges Teetrinken empfehlen. Bis der Groschen fällt.

Während die ersten beiden Drittel von Mi Wo auch als Beschallung von Spielstraßen, Miniatur-Städten oder Grußpostkarten ohne besonderen Anlass Verwendung finden könnten, erweckt die mit vokaler Ergänzung operierende Schlusstrias You Me, 100 Bird Stories und Sensorial Area wundersame Erinnerungen an Algebra Suicide im entzahnten Weichspülmodus oder an das unvergessene Euphoria von Insides (1993 auf dem 4AD-Ableger Guernica erschienen). Derlei Vergleiche müssen jedoch hinken, bleibt doch festzustellen, das auch Ytamo eine gänzlich eigene Sprache spricht, die sich mit ein wenig guten Willen intuitiv verstehen und gutheißen lässt.

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