Boieldieu schuf auf der Grundlage eines Librettos, das mit alter Militärmusik ironisch spielt, 1817 die opéra comique Bayard à Mézières (),
Boieldieu schuf auf der Grundlage eines Librettos, das mit alter Militärmusik ironisch spielt, 1817 die opéra comique Bayard à Mézières (https://www.flickr.com/ photos/internetarchivebookimages/ 14591004629/, p.d.),

Allerdings lässt sich gerade im Zeitalter des Spätabsolutismus und auf dem Weg zur Aufklärung eine gewisse Zivilisierung vom Militärischen weg beobachten: Denn etwa die Versailler Gartenmusiken von Michel-Richard Delalande, Johann Melchior Molters Sinfonia Concertante und Mozarts Divertimento Nr. 6 C-Dur KV 188 lassen trotz lauter Blechbläsereinsätze und der teilweisen Verwendung des dröhnenden Fagotts die verfeinerten Züge der (höfischen) Serenade und des Konzertierens um seiner selbst willen erkennen. Der dezidiert ironische Gebrauch von europäischer Militärmusik kommt allerdings erst nach der Französischen Revolution zum Tragen, so in François-Adrien Boieldieus komischer Oper Bayard à Mézières ou Le Siège de Mézières (1817), die er gemeinsam mit Nicolas Isouard, Luigi Cherubini und Charles-Simon Catel schrieb.

 

Dem Verhältnis von Musik und Politik gehen Sabine Mecking und Yvonne Wasserloos in ihrer wissenschaftlichen Publikation von 2012 nach (ISBN 978-3-89971872-0, Vandenhoeck & Ruprecht).
Dem Verhältnis von Musik und Politik gehen Sabine Mecking und Yvonne Wasserloos in ihrer wissenschaftlichen Publikation von 2012 nach (ISBN 978-3-89971872-0, Vandenhoeck & Ruprecht).

Wurde schon im deutschen Kaiserreich und erst recht im Nationalsozialismus unabhängige symphonische Musik „von rechts oben“ instrumentalisiert, fand in die Kunstmusik des 20. Jahrhunderts der politische Songprotest Eingang, zum Teil, weil die Musikschaffenden selbst zum linken Lager neigten oder Interessen anderer vertraten: Hier wäre an Frederic Rzewskis‘ idealistisch ausgerichteten Klavierzyklus The People united will never be defeated über ein Kampflied von Sergio Ortega zu denken. Hingegen hatte Aaron Copland mit der berühmten Fanfare for the Common Man neben einer demokratisch-egalitären Aussage auch ein loyales staatsbürgerliches Bekenntnis in instrumentaler Musik formuliert. Der Sprung auf ein gänzlich anderes Terrain sei danach gewagt: Selbst Lemmy Kilmisters Bomber von 1979 transportiert bei größtmöglichem Einsatz martialisch hämmernder Hardrock-Maschinen eine massive implizite Kritik an Aufrüstung und atomarer Bedrohung …

 

Von Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler aus München; Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.

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