In manchen Fällen rettet ein einziges Werk seinen Urheber aus der Vergessenheit: So geschehen im Falle der drei anmutig-verspielten Duetos concertantes für zwei Violinen von Gabriel Fernandes da Trindade. Wohl im Schulalter war der spätere Komponist aus der prächtigen alten Barockmetropole Vila Rica do Albuquerque im Bundesstaat Minas Gerais mit Eltern und Geschwistern nach Rio de Janeiro gezogen. Wirtschaftliche Gründe mögen am wenigsten dafür verantwortlich gewesen sein, denn die damals reichste Stadt der Welt, die deshalb wenig später in Ouro Preto umbenannt wurde, lag zur Zeit von Napoleons Feldzügen in Europa im Goldrausch. Eher könnten verwandtschaftliche Beziehungen oder Erfahrungen von Gewalt in der Goldgräberhochburg für einen Auszug verantwortlich gewesen sein, vielleicht auch bessere Bildungsperspektiven für Gabriel Fernandes und seine Familie.

Das Werk des klassisch und frühromantisch geprägten brasilianischen Komponisten Gabriel Fernandes da Trindade ist auf Tonträgern bislang kaum greifbar. Eine Ausnahme stellt die Aufnahme der Violinduette durch Maria Ester Brandao und Koiti Watanabe dar ( (ASIN: B0114B7I4Y).
Das Werk des klassisch und frühromantisch geprägten brasilianischen Komponisten Gabriel Fernandes da Trindade ist auf Tonträgern bislang kaum greifbar. Eine Ausnahme stellt die Aufnahme der Violinduette durch Maria Ester Brandão und Koiti Watanabe dar (ASIN: B0114B7I4Y).

Möglicherweise erhielt der Heranwachsende in Rio de Janeiro ersten Unterricht bei José Maurício Nunes Garcia, der damaligen Autorität in Sachen Musikpädagogik. Nachgewiesen ist jedenfalls, dass da Trindade um 1810 herum auf Veranlassung des Prinzregenten Dom João von Francesco Ignacio Ansaldi in der Geigentechnik ausgebildet wurde. Die berühmt gewordenen Duette entstanden um 1814, als sich der Studierende vielleicht schon konkrete Hoffnungen auf eine dauerhafte Anstellung im Orchester Real Câmara e Capela dos Bragança machte und als Komponist in Nebenbeschäftigung Aufmerksamkeit auf sich zog. Erst mit dem zweiten Anlauf gelang es ihm in der Capela Imperial – wie sie sich nach der Unabhängigkeitserklärung des Landes nannte – schließlich festen Fuß zu fassen. Das Glück währte nicht lange, denn schon 1831 löste sich das Orchester auf.

Um 1800 die reichste Stadt der Welt: das spätere Ouro Preto, Geburtsstadt von G. F. da Trindade (Marcello Casal jr.-ABr, 20.4.2003).
Um 1800 die reichste Stadt der Welt: das spätere Ouro Preto, Geburtsstadt von G. F. da Trindade (Marcello Casal jr.-ABr, 20.4.2003).

Trindade war neben einem jüngeren Bruder, der im nämlichen Orchester als Kontrabassist gewirkt hatte, somit gezwungen, in kirchlichem Auftrag die Liturgie zu begleiten. Auftritte in der Oper als Sänger und Violinist sowie als Komponist unter anderem von kammermusikalischen amourösen Liedern für den Salon sicherten ihm ein Auskommen im Bereich des Musiktheaters. Ab 1840, fünf Jahre nach seiner Hochzeit, trat er wieder in die Dienste des Herrscherhauses ein, nunmehr in der Funktion als Tenorsänger. Ein späterer mutmaßlicher Schlaganfall, an dessen Folgen er bis zu seinem Tod im Jahr 1854 litt, verhinderte aber eine weitere Karriere.

Das Deckblatt für die Ausgabe der 2. Violinstimme der "Duetos concertantes" von G. F. da Trindade ist schon in kalligraphischer Hinsicht ein Preziosum (http://imslp.org/wiki/3_Duos_Concertantes_ for_2_Violins_(Trindade,_Gabriel_Fernandes_ da, US p.d., 24.2.2016).
Alleine das Deckblatt für die Ausgabe der 2. Violinstimme der „Duetos concertantes“ von 1814 ist schon in kalligraphischer Hinsicht ein Preziosum (http://imslp.org/wiki/3_ Duos_Concertantes_
for_2_Violins_(Trindade,_Gabriel_Fernandes_
da, US p.d., 24.2.2016).

Bekannt wurde da Trindade während der Zeit seines Wirkens nicht nur wegen der Violinwerke, sondern auch wegen seiner Vokalduette im frühromantischen Geist wie der Liebeslieder Tive amor fui desditoso oder Meu coração vivia isento und wegen seiner sinfonias für Orchester. Dank der Aufnahme mit Maria Ester Brandão und ihrem Kollegen Koiti Watanabe ist die Erinnerung an die Duetos concertantes nun wiederum aufgefrischt werden.; sie liefern den Beweis für originelle brasilianische Kammermusik klassischer Schule.

 

 

 

 

Von Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler aus München; Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.

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