Matt Elliott - The Calm Before

Befriedung als Betrug

Auf seinem siebten Soloalbum – The Calm Before (Ici D’Ailleurs/Cargo) – wandet Matt Elliott den Eingang zur Hölle in Watte. Die vordergründige Harmlosigkeit von so manchen Leitideen oder Ausstaffierungen können und wollen das schwärende Unheil nicht verhehlen, das seine oftmals ausladenden Songs im Sinne übler Vorahnungen beschreiben. Auf den Punkt – mit Gebläse, Fideln und Piano – dramatisiert, bleibt ein Werk von beunruhigender Intensität mit bestens gewähltem Titel.

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Matt Elliott: "The Calm Before" (Ici D'Ailleurs/Cargo)

Matt Elliott: „The Calm Before“ (Ici D’Ailleurs/Cargo)

Was für ein Musikus! The Third Eye Foundation (Semtex erfuhr gerade seine Neuauflage anlässlich des zwanzigsten Geburtstags), Arbeiten für und mit Tarwater, Blonde Redhead, Mogwai, Ulver, Sonic Youth oder Yann Tiersen. Alles Crème de la Crème. Tut auf The Calm Before aber nichts zur Sache.

Machen wir es kurz: Einmal eingestiegen, lässt The Calm Before keinerlei Nebentätigkeiten mehr zu. Alles ist stimmig auf die Erzeugung wohligen Unwohlseins ausgerichtet, selbst vielfältige Verweise auf die (bourgeois bis folkloristische) Musikkultur des alten Europa verweigern sich der Vereinnahmung im Modus der Befriedung.

Selbst wenn Matt Elliott den über vierzehn Minuten währenden Titeltrack scheinbar versöhnlich ausklingen lässt, ist dies allein noch längst kein Indiz, das gegen die immens unterhaltsame Verstörung spricht, welche zuvor und fürderhin von diesem sagenhaften Album ausgeht.

thirdeyefoundation.com
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icidailleurs.com

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