Beim Vernehmen des vierten Albums der „Welsh version of Nico“ (The Sun) mag sich die Majorität mit Grausen abwenden. Zu wirr, zu schief, zu basal. Eine Minderheit wird genau diese Einwände zu schätzen wissen. Crab Day (Turnstile/Caroline, ab morgen) mag wirr und windschief dünken. Und geringschätzig mit den Segen einer Studioaufnahme umgehen. Doch genau diese Aspekte machen das Album so stark und letztlich unwiderstehlich. Dieses Album einer Künstlerin, die sehr genau weiß, wie sie ihre gedanklichen Schäfchen ins Trockene zu bringen hat.

Cate Le Bon: "Crab Day" (Turnstile/Caroline)
Cate Le Bon: „Crab Day“ (Turnstile/Caroline)

Fiel soeben das Wort „basal“, so möge es nicht mit banal in Einklang gebracht werden. Bei Cate Le Bon sitzt jeder Ton, jedes Wort. Bleibt hängen. Stimmt gleichermaßen nachdenklich und frivol. Ihr, die schon mit Neon Neon, Franz Ferdinand oder The Chemical Brothers liiert war, macht man kein X für ein U vor.

Ihre Kunst besteht in einer konstanten Verschiebung von standardisierten Floskeln, hinein ins unwägbar Präsente. Sie ignorieren zu wollen, gliche der Indifferenz gegenüber einem Erdbeben draußen vor der Tür, weiland die Regale im Raume zittern. Und sie zittern doch. Aufgrund von Aussagen, die sich nicht in des Zerberstens gewissen Stein meißeln lassen. Anhand von Musik, die keinen vorgedachten Raum zur Anerkennung akzeptiert. Das mag radikal sein. Oder einfach nur duldsam und schön.

30.05. Berlin (Privatclub)
31.05. Köln (King Georg)

catelebon.com
facebook.com/CateLeBon

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