Requiem auf den Krieg

Das „War Requiem“ zählt zu den eindrucksvollsten Kompositionen Benjamin Brittens. Es ist ein Mahnruf gegen den Krieg, der Schmerz, Grauen und Trauer, aber auch die Hoffnung auf Versöhnung in Klang und Wort hörbar macht. Am 2. und 3. Mai wird das Werk in Hamburg im Rahmen des Evangelischen Kirchentages aufgeführt – ein besonderes Erlebnis nicht nur für Britten-Fans.

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Ein Mahner gegen den Krieg: Benjamin Britten, Foto: Roland Haupt

Ein Mahner gegen den Krieg: Benjamin Britten, Foto: Roland Haupt

Das „War Requiem“ erfordert eine große Besetzung: Sopran-, Tenor- und Baritonsolo, ein Knabenchor und ein gemischter Chor, ein Kammer- und ein Sinfonieorchester. Trotzdem ist es kein bombastisches Werk, sondern beeindruckt gerade durch die leisen, intimen Töne. Es verbindet in seiner Form die klassische lateinische Totenmesse mit Versen des britischen Dichters und Soldaten Wilfred Owen, der in seiner Dichtung die Schrecken des Ersten Weltkrieges verarbeitete, bevor er 1918 im Alter von 25 Jahren an der Front in Frankreich fiel. Musikalisch schlägt es eine Brücke zwischen Oratorium und Kammermusik – die Owen-Passagen werden von Tenor- oder Baritonsolo und dem Kammerorchester ausgeführt.

1962 wurde das Werk anlässlich der Wiedereinweihung der Kathedrale von Coventry uraufgeführt, die 1940 in einem Blitz-Angriff deutscher Nazi-Bomber zerstört wurde. Bei dieser Operation griffen die deutschen Bomber erstmals gezielt die britische Zivilbevölkerung an. Umso bedeutsamer ist der Versöhnungsaufruf des „War Requiem“: Bei der Uraufführung sollten die russische Sopranistin Galina Wischnewskaja, der britische Tenor Peter Pears und der deutsche Bariton Dietrich Fischer-Dieskau mitwirken. Allerdings erhielt Wischnewskaja (mitten im Kalten Krieg) keine Ausreiseerlaubnis, so dass an ihrer Stelle die Britin Heather Harper sang.

Auch die Hamburger Aufführung erinnert mit der Besetzung an die Geschichte, an Krieg und Versöhnung: Gleich zwei Knabenchöre werden auf der Bühne stehen, die Boy Choristers of Coventry Cathedral und der Hamburger Knabenchor St. Nikolai. Außerdem werden Katherina Müller (Sopran), Michael Connaire (Tenor), Eric Fergusson (Bass), der Hamburger Bachchor St. Petri, die Kantorei St. Katharinen und die Hamburger Symphoniker unter Leitung von Thomas Dahl und Andreas Fischer zu hören sein.

Auch dieses Konzert wird wohl unter dem Leitgedanken stehen, den Britten mit Versen von Wilfred Owen seiner Requiem-Partitur voranstellte: „My subject is War, and the pity of War,/ The Poetry is in the pity …/ All a poet can do today is warn.“

Benjamin Britten, War Requiem, 2. Mai 2013, 20.30 Uhr, Hamburger Hauptkirche St. Petri; 3. Mai 2013, 20.30 Uhr, Hamburger Hauptkirche St. Katharinen

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Über Maike Steenblock

Freie Journalistin aus Hamburg. Studierte Klassische Philologie und Geschichte in Hamburg und Rom, schreibt über Food und jetzt auch über Musik. Spezialgebiet: Klassik