Die Elbphilharmonie kommt in Schwung

Wenn Musik der Baukunst Nahrung ist …

Kühn konstruierte öffentliche Bauten als Pionierabenteuer der Architektur – das hat es schon öfter gegeben: Man denke nur an das Opernhaus von Sydney oder die Konzerthalle zu Ehren von Alfredo Kraus in Las Palmas auf Gran Canaria. Letztere ragt aus einer bestimmten Perspektive gleich einem vom Stapel laufenden Schiff in die wilde atlantische See. Ähnlich verhält es sich mit der nun bereits mit einem konkreten Programm auffahrenden Elbphilharmonie, die sich von der Wasserseite aus stolz als wagemutiges, so noch nirgendwo inszeniertes Denkmal des 21. Jahrhunderts präsentiert. Lange hing die abschließende Finanzierung des großzügig dimensionierten Gebäudes für die Kunst in der Luft – was bei einer abschließenden Einschätzung des Bürgermeisters Olaf Scholz aus dem Jahr 2013 von 789 Millionen Euro (für den Steuerzahler) niemanden verwundert. Nun konnten die Arbeiten am Bau aber früher beendet werden als prognostiziert.

Neues Erlebnis bei der Organisation Deiner Musikschule

Der kühne Bau der Elbhilharmonie befindet sich dort, wo lange Genussmittel wie Tee, Kakao und Tabak gelagert wurden: für ankommende Schiffe ebenso unübersehbar wie für Autofahrer, die in Hamburg unterwegs sind (Henry Kellner, 21.7.2015).

Der kühne Bau der Elbphilharmonie befindet sich dort, wo lange Genussmittel wie Tee, Kakao und Tabak gelagert wurden: für ankommende Schiffe ebenso unübersehbar wie für Autofahrer, die in Hamburg unterwegs sind (Henry Kellner, 21.7.2015).

Den idealen Platz fanden die Initiatoren des skandalisierten und auch bei der Bürgerschaft umstrittenen Projekts „Elphi“ mit seiner einmaligen Glashaut und Wabenstruktur an der Fassade über dem Sockel dort, wo Johannes Dalmann 1875 zwischen dem Sandtorhafen und dem Grasbrookhafen den Kaiserspeicher am gleichnamigen Kai bauen ließ. Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs wurde der Speicher neu errichtet und diente fortan der Lagerung von Tabak, Tee und Kakao.

Das Modell hat sich zum kolossalen Repräsentationsbau des 21. Jahrhunderts ausgewachsen (HafenCity-Modell, Holger Ellgaard 2008).

Das Modell hat sich zum kolossalen Repräsentationsbau des 21. Jahrhunderts ausgewachsen (HafenCity-Modell, Holger Ellgaard 2008).

Heute erwarten die Hanseaten nebst Gästen aus aller Welt hier eher geistige und erbauliche Nahrung, dank der originellen Idee von Alexander Gérard und seiner Gemahlin, der Kunsthistorikerin Jana Marko. Die Bedenken gegen die Statik der Stahlbetonkonstruktion mussten nun durch die verantwortliche Baufirma Hochtief ausgeräumt werden; die Frist für sämtliche weiteren Verbesserungen läuft Ende 2016 ab. Das 2000 (!) Tonnen schwere Saaldach ruht nun direkt über dem Großen Konzertsaal selbst.

Der imposante Bau des Auditorio Alfredo Kraus ragt schon seit 1997 in den Atlantik zu Füßen der Kanarischen Inseln (Las Palmas de Gran Canaria, Pepelopex, 10.4.2004).

Der imposante Bau des Auditorio Alfredo Kraus ragt schon seit 1997 in den Atlantik zu Füßen der Kanarischen Inseln (Las Palmas de Gran Canaria, Pepelopex, 10.4.2004).

Allerdings wirkte sich das Projekt schon seit 2009 produktiv auf die Konzertprogrammplanung der Stadt aus, da unter dem Label „Elbphilharmonie“ bereits zahlreiche, weltweit gefragte Orchester in der momentan noch die erste Geige spielenden Laeisz-Halle zu Gast waren. Obwohl es auch hier Probleme wegen der offenbaren Benachteiligung anderer Konzertdirektionen gab, die in eine Gerichtsklage mündeten, scheint derzeit der hamburgische Klassikbetrieb wieder im Lot.

Thomas Hengelbrock wird das Eröffnungskonzert der Elbphilharmonie am 11. Januar 2017 um 18.30 Uhr leiten; das Programm darf noch nicht verraten werden (Verleihung des Praetorius-Musikpreises, März 2012, Axel Hindemith, Creative Commons CC-by-sa-3.0 de).

Thomas Hengelbrock wird das Eröffnungskonzert der Elbphilharmonie am 11. Januar 2017 um 18.30 Uhr leiten; das Programm darf noch nicht verraten werden (Verleihung des Praetorius-Musikpreises, März 2012, Axel Hindemith, Creative Commons CC-by-sa-3.0 de, GNU Free Doc. Lic.).

Endgültig fertiggestellt ist nun der Große Saal, das erste Konzert ist seit langem für den 11. Januar 2017 terminiert. Das NDR-Sinfonieorchester soll unter Leitung von Thomas Hengelbrock an diesem sehnlichst erwarteten Abend das erste Eröffnungskonzert geben, wobei die erklingenden Werke noch unter Geheimhaltung stehen. Am nächsten Tag geht es „top secret“ weiter, am 15. Januar steht Mendelssohns Lobgesang auf dem Programm, gefolgt am 19. Januar von Haydns Oratorium Die Schöpfung und am 28. Januar von Schönbergs Moses und Aaron. Chancen auf Karten bestehen noch dank Verlosung …

 

PS.: Auch bei Facebook? Dann werde Fan von amusio!

Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.