Nachdem sich die erste gemeinsame Scheibe, Still Smiling, vor drei Jahren zu einem überraschend homogenen Meisterwerk aus gewitztem Geist und freimütiger Auskleidung entpuppte, verspüren nicht wenige Kollegen der schreibenden Zunft offenbar eine rechte Lust, das Zweitwerk der Kollaboration direkt mit seinem Vorgänger in Bezug zu setzen und zu vergleichen. Doch wird dieses Verfahren Nerissimo (Spècula Records/Rough Trade) kaum gerecht, entzieht es sich doch nahezu vollständig der Selbstwiederholung. Sondern setzt ganz woanders an.

Teho Teardo & Blixa Bargeld: "Nerissimo" (Spècula Records/Rough Trade)
Teho Teardo & Blixa Bargeld: „Nerissimo“ (Spècula Records/Rough Trade)

Aber da sich kaum mit gescheiter Sicherheit ermitteln lässt, wo die nahezu völlig neu geschaffenen Ansätze ihre ums Eck gelagerten Bezugspunkte offenbaren, um anschließend auch die Lücken der musikalischen Genese erschließbar zu machen, scheint sich eine Tendenz durchzusetzen, die im Zweifel für Still Smiling und ziemlich entschlossen gegen Nerissimo argumentiert.

Nun verbirgt sich im Wortstamm des Arguments auch das falsche Zeugnis, die Verleumdung, die Lüge. Wie im Titel des Albums das Schwarz, in all seinen Facetten, Schattierungen, Deutungen. Als Superlativ. Dessen „Gesandten“, nach Hans Holbein dem Jüngeren, gelassen ungerührt vom Cover grüßen. Wer nun das subjektive Zerpflücken der dargebotenen Skizzen, die sich ohne einen offensiven Anspruch nach deutender Zusammenführung präsentieren, angeht, um ein Verständnis zu suggerieren, dessen Zugriff sich Nerissimo wiederum verschließt, darf sich dazu gratulieren, mal wieder schlauer zu sein, als die Schöpfer seines Gegenstands.

Es mag ein charakterlich dominantes Element des Angedeuteten sein, das sich auf Nerissimo deutlich Bahn bricht. Deutlicher als auf Still Smiling. Doch bei allem Ernst der Anmutung, erweist sich der humorig groteske Gehalt, insbesondere bei dem Miniatur-Epos Ulgae, letztlich als der griffigste Schlüssel zur Anerkennung der chirurgisch präzise dem Vortrag des Blixa Bargeld angepassten Arrangements aus Streicherflächen und Bassklarinette. „Von wo auch immer“ (Nirgendheim). Wer ohne Gewissheiten zu genießen vermag, könnte mithilfe von Nerissimo in den entspannten Stand der Entzückung gelangen.

The Beast:
youtube.com/watch?v=0t6Bu7uuPAw

Teho Teardo & Blixa Bargeld live

21.05. Frankfurt/Main (Mousonturm)
06.06. Berlin (Volksbühne)
07.06. Köln (Kulturkirche)
08.06. Hamburg (Uebel & Gefährlich)
15.06. München (Muffathalle)

tehoteardo.com
neubauten.org/de/blixa-bargeld

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