Ein qualitativer Vergleich mit den Kollaborateuren vom ersten Teil der Fundamentalanalyse elektronischer Unterhaltungsmusik des Jean Michel Jarre verbietet sich. Mit den Pet Shop Boys, Julia Holter, Gary Numan, Hans Zimmer, Peaches, The Orb oder Yello klinken sich auch auf Electronica 2: The Heart Of Noise (Columbia/Sony Music) schillernde Namen ein, hinterlassen ihre Marke. Doch scheitern sie zumeist an der vom Initiator angeregten Diskrepanz von Form und Inhalt. Mit einer Ausnahme: Die Partizipation von Edward Snowden legt inhaltlich Finger in Wunden, in die Jean Michel Jarre formal Salz zu streuen versteht.

Jean Michel Jarre: "Electronica 2: The Heart Of Noise" (Columbia/Sony Music)
Jean Michel Jarre: „Electronica 2: The Heart Of Noise“ (Columbia/Sony Music)

Exit, der Track mit der Stimme Edward Snowdens, muss wider Erwarten als ein Höhepunkt der Relevanz gewertet werden. Die Problematik von Technologie und Privatsphäre klar umreißend, stellt sich der zugeführte Sound in den Dienst der scheinbaren Aporie. Wo Edward Snowden ein Gefangener bleibt, spielt sich Jean Michel Jarre frei.

Ansonsten wirkt Electronica 2: The Heart Of Noise, anders als sein Pendant, auf dem der Vordenker die gewählte Thematik zum alleinigen Aufhänger stilisierte, wie eine zugegeben interessante, jedoch inkonsequent gehandhabte Aneinanderreihung von Mergern, die sich auch ein Schiller zu leisten imstande wäre, um seine verquaste Mainstream-Esoterik an den Mann zu bringen. Da verkommt Peaches – trotz ihres bekannt entschiedenen Einsatzes – zu einem nur sträflich schwach ausgebildeten Gegenpart zu Sebastien Tellier. So wie zuvor bereits mit Julia Holter und Gary Numan geschehen. Letztlich erweist sich der Schwulst eines Hans Zimmer mit dem Schwirren von The Orb als absolut vereinbar. Allein Dieter Meier (Yello) gelingt es, ein Zeichen der Unverwechselbarkeit zu setzen. Mit der Stimme, wohlgemerkt (wiewohl Boris Blank die Gelegenheit nutzt, an die schönsten Atmosphären seines Schaffens zu erinnern).

Um Missverständnissen vorzubeugen, sei betont, dass sich auch der zweite Teil des Projekts in herausragender Weise dazu eignet, sein Sujet zu reflektieren. Dass es Jean Michel Jarre nicht darum geht, sich mit fremden Federn zu schmücken ist ebenso unbestritten wie der Umstand, dass es ihm nicht daran gelegen ist, seine Gäste – auf seine Kosten – zur singulären Selbstrepräsentation einzuladen. Vermutlich liegt die gelinde Enttäuschung einfach dem Umstand zugrunde, dass große Namen große Erwartungen aufrufen, die sich über zwei Stunden mit Kompilationscharakter einfach nicht erfüllen lassen.

16.07. MELT! Festival (Grafenhainchen)

16.10. Frankfurt/Main (Festhalle)
19.10. Hamburg (Arena)
20.10. Berlin (Arena)
22.10. Düsseldorf (Electricity Conference@ISS Dome)
17.11. A-Wien (Stadthalle)
18.11. CH-Zürich (Hallenstadion)
19.11. Nürnberg (Arena)
21.11. Münster (Münsterlandhalle)

jeanmicheljarre.com
facebook.com/jeanmicheljarre

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