Interview mit Genesis Breyer Porridge (Psychic TV/ PTV 3)

Bedingungslose Liebe

Er/Sie gehört zu den bedeutendsten Universalkünstlern unserer Zeit. Seit Jahrzehnten das Populäre, das Spirituelle und das Randständige amalgamierend und kontinuierlich neu deutend, kehrt Genesis Breyer Porridge für zwei Konzerte mit Psychic TV/ PTV 3 nach mehrjähriger Abstinenz nach Deutschland zurück. Am 19.05. in Berlin (Kulturbrauerei), tags drauf im Luxor zu Köln (die After Show Party – Lust For Life – wird nebenan im Kult-Club Blue Shell steigen). Obwohl sich Genesis geschätzt einem runden Dutzend Projekten parallel zu widmen scheint, fand er/sie die Zeit, um für uns bedeutende Bruchstücke seines/ihres Lebens Revue passieren zu lassen. Und um zu erläutern, warum seine/ihre anstehenden Konzerte ein must-join darstellen.

Neues Erlebnis bei der Organisation Deiner Musikschule

Genesis Breyer Porridge (Drew Weidemann)

Genesis Breyer Porridge (Drew Weidemann)

amusio: „Hi Genesis, von den zahlreichen Bezeichnungen, die du aufgrund deines vielfältigen Schaffens auf dich vereint, scheint sich die des ‚cultural engineer‘ mittlerweile durchgesetzt zu haben. Wurde dir dieses Label zugetragen oder warst du der Urheber?“

Genesis Breyer Porridge: „Tja, seit wann steht ‚cultural engineer‘ in meinem Reisepass als Berufsbezeichnung (lacht)? Nun, wenn ich mich recht entsinne, entstand diese Bezeichnung vor einigen Jahren ganz spontan während eines Interviews mit einem russischen Journalisten. Auf seine Frage, als was ich meine Arbeit bezeichnen würde, kam mir der ‚cultural engineer‘ plötzlich in den Sinn. Kurze Zeit später sah ich bei einem Besuch der Muzak Corporation eine Marmorplatte, auf der geschrieben stand: ‚Music, a Concept in Human Engineering‘. Das empfand ich als eine Bestätigung für die Richtigkeit der von mir gewählten Tätigkeitsumschreibung. Auch im Hinblick auf die zahlreichen Konnotationen des Begriffs ‚engineering‘. Letztlich geht das alles mal wieder auf meine Intuition sowie die von mir verinnerlichte Cut-Up Technik beim Denken und Nachdenken zurück.“

amusio: „Darüber hinaus macht dir wohl weiterhin niemand den Status des Erfinders der Industrial Music streitig…“

Genesis Breyer Porridge: „Doch, die Kids von heute! Zumindest in den Staaten. Denn die sind fest davon überzeugt, dass Industrial Music auf Trent Reznor und Nine Inch Nails zurückgeht. Die leider typische Mischung aus Patriotismus und Ignoranz. Ironischerweise haben wir mal einen Remix für Trent gemacht: Nach vierzig Jahren Industrial Music remixen wir endlich einen Song für die erste wahre Industrial-Band (lacht)! Aber ich verrate dir nichts neues, wenn ich kurz die Wahrheit rekapituliere: 1975 stand für uns, also für Throbbing Gristle, fest, dass es sich bei uns um ‚Industrial Music for Industrial People‘ handelt. Der britische Musikjournalist John Savage war der Ansicht, dem ein nett gemeintes ‚New Musik‘ entgegenhalten zu müssen. Das empfanden wir aber als entschieden zu schwach. Also blieben wir bei der Bezeichnung des von uns tatsächlich erfundenen Genres.“

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