Töne aus den Staaten: Ohio, Kentucky

Alle Hörer im Fokus – mittels 180°-Drehung

Beinahe bekannter als das große Symphonieorchester des Bundesstaats Ohio ist sein nächtliches Pendant: Das Cincinnati Pops Orchestra wurde 1977 gegründet und sah seither zahlreiche international bekannte Gäste: neben Ella Fitzgerald auch Frederica von Stade und Dave Brubeck. Es dürfte sich um eine der wenigen großen Formationen handeln, die infolge von bislang mehr als hundert in Tonträger gegossene Aufnahmen über ein eigenes Label namens Fanfare Cincinnati verfügen. Nicht so sehr wegen des Namens, sondern auch für seine Repertoirearbeit, die ein breites Publikum dies- und jenseits des Atlantiks anspricht, rückten die „Pops“ in die Billboard-Charts vor, dank der Programme Carnival of the Animals und dem zunächst plakativ anmutenden Titel Superheroes!, der allerdings mehr als werbliche Hülle verstanden werden sollte, hinter dem sich faktisch Hochkarätiges verbirgt.

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Jährlich wiederholt sich das May Festival des Cincinnati Symphony Orchestra. In der Regel finden die symphonischen Konzerte in der plätzereichen Music Hall statt (May Festival Chorus, 17.1.2015, Agdarley, p.d. cc lic.).

Jährlich wiederholt sich das May Festival des Cincinnati Symphony Orchestra. In der Regel finden die symphonischen Konzerte in der plätzereichen Music Hall statt (May Festival Chorus, 17.1.2015, Agdarley, p.d. cc lic.).

John Morris Russell leitet die „Pops“, die sozusagen die für alle Hörer offene Kehrseite des renommierten ursprünglichen Orchesters vorstellen, seit 2012. Home for the Holidays lautete das Motto seiner ersten CD unter dem eigenen Label, das den gleichnamigen  Hit in einer Aufführung des May Festival Chorus enthält. Hier sind tatsächlich die ohnehin in den USA am weitesten verbreiteten Songnummern vertreten, nämlich unter anderem Go tell it on the Mountain oder Gounods Ave Maria. Der aktuellen Jahreszeit entsprechen sicher mehr die beiden etwas älteren Sammlungen höchst bekannter Filmmusikstücke: Mega Music und The Magical Music of Disney unter Erich Kunzel.

Home of the Holidays - eine der CDs der Cincinnati "Pops", die es in die Billboard-Charts geschafft haben (B0088WDTHS).

Home of the Holidays – eine der CDs der Cincinnati „Pops“, die es in die Billboard-Charts geschafft haben (B0088WDTHS).

Beinahe ein wenig zu populistisch für europäische Ohren fiel die letzte CD American Originals der Pops-Variante des Orchesters von 2015 unter dem neuen Dirigenten aus, die gewissermaßen nichts Neues bietet oder bieten will, während die wieder aufgelegten Tanzsamples auf 3 CDs von 1976 auf America as Apple Pie mit amerikanischen Tangos, Walzern und Märschen als wirkliche Klassiker des Orchesters ihre Anziehungskraft nicht verloren haben.

Auf der anderen Seite des Mondes bewegen sich die klassischen Programme: So spielte vor drei Jahren der Cellist Matt Haimovits mit dem Cincinnati Symphony Orchestra unter Dennis Russell Davies das Concerto No. 2 Naqoyqatsi von Philip Glass ein, eine weiter zurückliegende bemerkenswerte Aufnahme von Elliot Carters Klavierkonzert und seinen Orchestervariationen unter Michael Gielen als ehemaligen Chef beim Label New World Records sowie eine exzellente Einspielung von einigen der Orchesterwerke Maurice Ravels mit Paavo Järvi, der das Orchester über zehn Jahre leitete, seien hier ebenfalls erwähnt. Seit 2013 verantwortet Louis Langrée als Musikdirektor die Arbeit des Orchesters.

James Conlon dirigiert am kommenden Freitag, 20. Mai 2016, in Cincinnati Verdis 'Otello' (Todd Rosenberg, Ravinia Festival 2004, p.d.)

James Conlon dirigiert am kommenden Freitag, 20. Mai 2016, in Cincinnatis Musikhalle Mozarts c-Moll-Messe (Todd Rosenberg, Ravinia Festival 2004, p.d.)

Ludwig van Beethoven ist nur einer der Favoriten dieses Jahres beim Weltrangorchester CSO, dessen zwei weitere Schwerpunkte übrigens im Opernhaus und Ballett liegen: So ging am Freitag und Samstag die Aufführung der 3. Symphonie Eroica in Cincinnatis Music Hall über die Bühne, am kommenden Freitag gibt es Mozarts „Große“ Messe in c-Moll KV 427 und darüber hinaus seine Chorwerke Ave verum corpus und Exsultate jubilate zu hören. Am Pult ist James Conlon zu erleben, als Solistin ist die Sopranistin Lisette Oropesa angekündigt. Nach Verdis Otello am nächsten Samstag, den 21. Mai, sind anlässlich des jährlichen Frühjahrsfestivals in Cincinnati sind unter dem Motto Basilica Concert am Sonntag unter anderem die Weltpremieren Sea Dream Elegies von Julia Adolphe und Alvin Singletons Prayer vorgesehen. Die Tenorpartien in der Kathedrale Basilica of the Assumption von Covington im Bundesstaat Kentucky bestreitet Rodrick Dixon.

 

 

 

 

 

 

 

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler aus München; Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.