So wie sich das Leipziger Stadtmarketing jeglichen Respekt gegenüber Formen sprachlicher Relativierung entzieht, indem es das Völkerschlachtdenkmal schlicht als „das Schönste der Welt“ bewirbt, mag sich auch die – neben dem anstehenden Katholikentag („Seht, da ist der Mensch“) oder dem Aufstieg eines anderen, landläufig kontrovers diskutierten „Vereins“ in die Beletage der Volksbelustigung – wohl bedeutendste Veranstaltung der sächsischen Metropole des Superlativs nicht entsagen. In Anstand, Würde und einer stets mitschwingenden Euphorie ward das fünfundzwanzigste Wave Gotik Treffen begangen. Hierüber gilt es nun (und fürderhin in mehreren Etappen) Zeugnis abzulegen.

(Stephan Wolf)
(Stephan Wolf)

Wer die anlässlich des Jubiläums angebotenen Extras (Vergnügungspark Belantis als Austragungsort der Eröffnungsveranstaltung samt Feuerwerk, Festzelt sowie An- und Abfahrtsdienst bis in den frühen Morgen) zuvor als Verrat an einer sich dem materiellen Wahn sowie dem sinnentleerten Spaß entsagenden Szene deutete, sah sich angesichts der knapp 10000 aktiv an der anberaumten Gaudi Teilnehmenden eines besseren belehrt: Ja, auch schwarz gewandete Teilhaber einer gegenüber dem Ephemeren offensichtlich renitenten Subkultur jubeln, wenn die Fliehkräfte wirksam werden (wenngleich die entsprechenden Fahrgeschäfte des Belantis doch sehr klar an infantiler Zumutbarkeit ausgerichtet sind), schlecken kandierte Äpfel und erfreuen sich an den der Vergänglichkeit gewidmeten Reizen eines Höhenfeuerwerks, das gänzlich ohne die gemeinhin bevorzugte Unfarbe auskommt. Sollte man meinen. Doch ohne die Dunkelheit keine Schönheit, und sei sie auch nur notwendige Fundierung.

Von einer kundig erwählten Beschallung unterfüttert, flaniert also die große Familie – anders ist die evidente Gemeinschaft der WGT-Teilnehmer kaum noch angemessen zu benennen – von einem Ort angewandter Hydraulik zum nächsten. Und erfreut sich kollektiv an der reinen Tatsache, es allen Widerständen der seit dem WGT 2015 verronnenen Zeit zum Trotz vermocht zu haben, wieder dabei zu sein – wenngleich es das Volumen der nach und nach vergossenen (also investierten) Tränen des Wiedersehens nicht ganz mit jenem aufnehmen kann, welches da an Bier, Wein und Met durch solvente Kehlen fließt. Das potenziell fragwürdige Umfeld (Ambiente) des Abends kann dem erklärten Hang zum aufgeklärten Hedonismus nichts anhaben, sondern unterfüttert ihn. Die Freude an der Vergänglichkeit findet in der Nacht des Belantis eine äußerliche Entsprechung, die – zwischen eingestandener Affirmation und dem Hang zur ironisierten Eitelkeit changierend – den Sachstand der Szene pointiert.

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