So sehen Sieger aus: The Visit (Stephan Wolf)
So sehen Sieger aus: The Visit (Stephan Wolf)

Platz 3: The Visit

Heather Sita Black und Raphael Wineroth-Browne aus Ottawa entzücken die angemessen zahlreich erschienenen Gäste im Schauspielhaus anhand einer bis dato vielfach zuvor noch unvernommenen Melange aus kristallener Stimme und einer wahrhaft irrsinnigen Spieltechnik des Cellos. Anstatt sich in analytischer Beschreibung zu ergehen, mögen zwei Vergleiche taugen, um dingfest zu machen, was Raphael Wineroth-Browne mit seinem (natürlich schwarz gefärbten) Instrument anstellt. Es erinnert ans kontinuierliche Spiel des Lubomyr Melnyk (am Piano, auch in Kanada ansässig, honi soit…) und einem Einsatz der Violine, wie er etwa im berühmten Score zum Film The Village von James Newton Howard anhand von Hilary Hahn zum Tragen kommt. Oder er spielt das Cello wie klassische Gitarre. Die Dynamiken, Stimmungen, Atmosphären, die er dabei zu erzeugen versteht, reiben sich an einer Stimme, die gefühlt weichgespültes Tremolo mit Grabeskälte und Todeshauch konkludieren lässt.

Sicher sind The Visit der Kammermusik zuzuschlagen. Und das Schauspielhaus bietet hierzu einen ausgezeichneten Rahmen. Und doch ist das, was Raphael Wineroth-Browne seinem Instrument entlockt, groß genug, um die ganze Welt zu beschallen. Wäre dies auch de facto möglich, es wäre eine bessere. Eine von Phantasie und Lust geprägte. Kaum abzuschätzen, für wie viele Erektionen und Lubrikationen diese knappe Stunde der Entrücktheit gesorgt hat. Glückwunsch nach Kanada.

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