Theater Erfurt: Ausblicke auf die neue Spielzeit

Shakespeares Sonne und Midoris Melos

Mit Fingerspitzengefühl und Geschick setzt das Theater Erfurt auch für die kommende Saison 2016/2017 nicht wie manch anderes Haus auf Motti oder eine breitere Spartendiversifizierung, sondern auf Abwechslung und Publikumsmagneten. Lediglich das Thema „Liebe“ schwebt nun verbindend über dem Gesamtprogramm: Das Shakespeare-Jahr geht mit vier Versionen von Romeo und Julia in die Verlängerung. Los geht es am 15. Oktober 2016 unter der Leitung von Zoi Tsokanou mit dem Musical West Side Story: Leonard Bernstein folgte zusammen mit Jerome Robbins bekanntlich einer nur stoffähnlichen Vorlage von Arthur Laurents.

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Das neue Angebot des Theaters Erfurt in der Saison 2016/17 bietet Altbekanntes ebenso wie Zeitgenössisches, Alte Musik und ein themenbezogenes Programm (22.5.2011, Dguendel, GNU Free Doc. Lic.).

Das neue Angebot des Theaters Erfurt in der Saison 2016/17 bietet Altbekanntes ebenso wie Zeitgenössisches, Alte Musik und ein themenbezogenes Programm (22.5.2011, Dguendel, GNU Free Doc. Lic.).

Riccardo Zandonai, ein Schüler von Pietro Mascagni, versetzte hingegen das Drama in die Klang- und Lebenssphäre des frühen 20. Jahrhunderts . Dessen Version Giulietta e Romeo ist erstmals im Theater Erfurt am 8. April 2017 zu erleben, eine originalgetreuere Lesart bietet das Libretto von Jules Barbier und Michel Carré für Gounods Oper Roméo et Juliette, die am 13. Mai 2017 zu sehen sein wird. In einer Wiederholung von 2015 ist schließlich am 29. Oktober 2016 Ester Ambrosinos berückende choreographische Umsetzung von Romeo und Julia mit der Musik von Michael Krause und mit 11 internationalen Tänzern zu bewundern.

Intendant Guy Montavon, der kürzlich in Nizza Luigi Cherubinis Bühnendrama Médée inszenierte, ist an der Kontaktpflege mit der südfranzösischen Stadt gelegen, denn mittlerweile bringt das Publikum ihn dort mit dem Theater Erfurt in Verbindung. Ihm gelang es auch wieder, große Namen für Gastspiele an der Oper Erfurt zu verpflichten: So kommt Cornelius Meister, Chefdirigent des ORF-Sinfonieorchesters Wien, mit einem bunten Programm von Brahms‘ 3. Symphonie über Gershwins Rhapsody bis zu Strawinskys Feuervogel zum Eröffnungskonzert am 8. September 2016; dessen Karriere begann – last but not least – in Erfurt vor 15 Jahren.

Der Name Shakespeare steht bis ins nächste Jahr hinein für Opernaufführungen an der Oper: mit Reminiszenzen an den Stoff von "Romeo und Julia" und dramennahen Kompositionen (sog. Chandos-Porträt von John Taylor, um 1610, National Portrait Gallery London, p.d.).

Der Name Shakespeare steht bis ins nächste Jahr hinein für Opern- und Ballettaufführungen am Theater Erfurt: mit Reminiszenzen an den Stoff von „Romeo und Julia“ und dramennahen Kompositionen (sog. Chandos-Porträt von John Taylor, um 1610, National Portrait Gallery London, p.d.).

Zum 3. Sinfoniekonzert am 24. und 25. November 2016 wurde die exzeptionelle Künstlerin Midori im Großen Haus mit Schumanns Violinkonzert in d-Moll engagiert, Maurice Steger führt das Publikum teils mit solistischen Flötenkonzerten am 13. und 14. April 2017 durch ein heiteres barockes Universum. Mit ihren erfolgreichen Expeditionskonzerten zieht Generalmusikdirektorin Joana Mallwitz alle Generationen in ihren Bann: am 13. September mit Richard Strauss‘ symphonischer Dichtung Till Eulenspiegels lustige Streiche, am 22. Januar mit Mahlers 4. Symphonie und am 28. Mai 2017 mit Beethovens Fünfter.

Vielerlei Interessen innerhalb des klassischen und populärklassischen Sektors zu bedienen ist bei aller Freude an „Ausgrabungen“ ein weiteres Ziel des Theaters Erfurt: So bleibt auch die Alte Musik keineswegs ausgespart. Samuel Bächli wird am kommenden 15. Januar Händels seinerzeit innovatives Oratorium Hercules in einer Bühneninszenierung dirigieren. Damit werden nicht nur alle angesprochen, die bereits seine Monteverdi-Aufführungen erlebt haben, sondern auch die Besucher von Glucks Oper Orfeo ed Euridice in diesem Jahr, die von der Premiere an fulminanten Zuspruch erfuhr. Mit der Choreographie für Händels Oratorium wird – neben der Wozzeck-Inszenierung am 25. Februar 2017 – einer weiteren Herzensangelegenheit der Intendanz entsprochen, nämlich die Kooperation mit dem Tanztheater auszubauen, das einen festen Platz im Repertoire des Hauses finden soll.

An der Oper von Nizza inszenierte Erfurts Intendant Guy Montavon kürzlich Cherubinis "Médée" (Qjafcc, 1.5.2012, p.d.).

An der Oper von Nizza inszenierte Erfurts Intendant Guy Montavon kürzlich Cherubinis „Médée“ (Qjafcc, 1.5.2012, p.d.).

Ebenso erfreulich ist die Pflege moderner und denn auch maßgeschneiderter zeitgenössischer Werke des 21. Jahrhunderts: Auf Brittens The Turn of the Screw am 30. September 2016 und Alban Bergs Wozzeck folgen innerhalb der Reihe „Erfurts Neue Noten“ drei Einblicke in das Schaffen des jungen slowenischen Komponisten Vito Žuraj: am 27. und 28. Oktober sein Tango für Flöte und Orchester sowie die deutsche Erstaufführung von Overgrip für Sinfonieorchester am 22. und 23. Dezember und zu guter Letzt mit seinem Konzert für Schlagzeug und Orchester am 2. und 3. März 2017 ein Auftragswerk des weiterhin glänzend aufgestellten Philharmonischen Orchesters Erfurt. Denn das Ensemble alleine sollte für auswärtige Klassikfans schon Grund genug sein, der Domstadt einen Besuch abzustatten.

Nicht nur wie hier in Bernsteins "West Side Story", auch in Vito Zurajs Erfurter Auftragswerk mit Konzerttermin am 2. März 2017 wird viel Schlagwerk zum Einsatz kommen ... (vxla from Chicago, 19.3.2011, US cc Lic.).

Nicht nur wie hier in Bernsteins „West Side Story“, auch in Vito Žurajs Erfurter Auftragswerk mit Konzerttermin am 2. März 2017 wird viel Schlagwerk zum Einsatz kommen … (vxla from Chicago, 19.3.2011, US cc Lic.).

Neben Mahlers 4. Symphonie, die Joana Mallwitz in einem Kinderkonzert im Großen Haus am 24. Januar um 10 Uhr sowohl dirigiert, als auch selbst  moderieren wird, sorgt das Theater weiter bestens für den musikalischen Nachwuchs: Drei Krabbelkonzerte für die Jüngsten, sieben Zwergenkonzerte für die 2- bis 4jährigen und sieben Kinderkonzerte, die Vorschulkinder und Grundschüler bis zur 3. Klasse ansprechen, sind in der neuen Spielzeit geplant.

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler aus München; Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.