Anger Management gone bad: Axl Rose arbeitet sich wieder mal am Publikum ab

Auf ein paar Dinge im Leben kann man sich eben verlassen: jedes Jahr zieht ein Politiker einen dämlichen, unangebrachten Nazi-Vergleich. Jedes Jahr gibt es Fernsehreportagen über unschuldige Rentner, die sich auf Kaffeefahrten ausnehmen lassen. Und jedes Jahr verprügelt Axl Rose irgendeinen Unglücksraben, der zur falschen Zeit am falschen Ort auftaucht.

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Axl Rose hat schlechte Laune. Quelle: Ed Vill

Axl Rose hat schlechte Laune. Quelle: Ed Vill

So geschehen zuletzt Anfang März im westaustralischen Perth, wo Rose mal wieder nicht Herr seiner manischen, gleichwohl legendären Stimmungsschwankungen war. Das pendelhafte Gemüt des rothaarigen Rockers fand sein Ventil bei diesem Anlass im Wurf seines Mikrofons in die Zuschauerränge. Blöd nur, dass sich dort eben auch – naja, Zuschauer eben – aufhielten. Einer der Hartgesottenen (oder Unverbesserlichen?) im Publikum war Darren Wright. Er bekam das Wurfgeschoss „mitten in die Fresse rein“, um mal einen „Ärzte“-Song zu zitieren.

Etliche lädierte oder komplett herausgebrochene Zähne waren das Ergebnis des kurzweiligen Temperamentsausbruchs eines Sängers, der vor genau 20 Jahren mit der Guns’n’Roses-Urformation innerhalb kürzester Zeit den Rock-Olymp erklommen hatte und danach mindestens genau so schnell davon herabgestürzt war. Die Forderung des Fans nach 5000 Euro für adäquaten Zahnersatz scheint angesichts des Schadens dabei doch gar nicht mal so hoch. Roses Management jedoch sieht das offenbar anders: dem Opfer wurde „großzügig“ ein von Rose signiertes Mikrofon als Wiedergutmachung vorgeschlagen. Ganz nach dem Motto: damit Du nie vergisst, wer dir am 8.3.2013 die Zähne ausgeschlagen hat.

Doch zu viel Mitleid sollte man auch nicht aufbringen. Schließlich dürfte sich langsam herumgesprochen haben, auf was man sich einlässt, wenn man ein Guns’n’Roses-Konzert besucht. Für viele Fans gehört es mittlerweile wohl sogar schon zu den Highlights, Axl Rose bei eigenwilligen Therapiehandlungen zu beobachten. Da die Musik der neuen „Gunners“ leider nicht mehr viel hergibt und Roses Stimme bereits Mitte der neunziger Jahre ihren Zenit überschritten hatte, kann man bei Konzerten wenigstens noch auf Zwischenfälle hoffen (und wird meistens belohnt).

Als Puppe friedlich: Axl Rose. Quelle: Dan

Als Puppe friedlich: Axl Rose. Quelle: Dan

Für divenhafte Spirenzchen steht niemand so prototypisch wie Axl Rose. Einige werden sich daran erinnern, wie er bei einem Konzert in Mannheim im Rahmen der „Use Your Illusion“-Tour zehntausende Fans fast zwei Stunden im Stadion warten ließ, weil er nicht in Stimmung für einen Auftritt war. Stattdessen saß er lieber in seinem Frankfurter Hotelzimmer herum, bevor ihn Band und Management schließlich davon überzeugen konnten, sich bitte nun doch mit dem Helikopter einfliegen zu lassen, da ansonsten ein Tumult drohe.

Zwischen Rose und den ehemaligen Bandmitgliedern Slash, Duff McKagan, Matt Sorum oder Steven Adler herrscht unterdessen weiterhin Funkstille. Nur den ehemaligen Rhythmusgitarristen Izzy Stradlin, einen Freund aus Jugendtagen in Lafayette, sieht Rose bisweilen. So durfte es auch nicht verwundern, dass bei der letztjährigen Einführung in die „Rock’n’Roll Hall of Fame“ das komplette Lineup der „echten“ Guns’n’Roses zugegen war – bis auf Axl Rose selbst.

Andererseits zeigt der Einsiedler Rose von Zeit zu Zeit durchaus versöhnliche Züge: erst vor kurzem hatte er seinen ersten TV-Auftritt seit fast zwanzig Jahren bei „Jimmy Kimmel live“ und ließ wohlwollend Witze über sein notorisches Zuspätkommen bei Konzerten sowie sein egomanisches Image über sich ergehen. Das Publikum in der Show beschenkte er sogar mit Gratis-Burgern. Axl Rose kann also auch ganz brav sein, wenn er will.

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