XXV Wave Gotik Treffen Nachlese V

Ein letzter Rundgang

Joseph Budenholzer, Backworld (Stephan Wolf)

Joseph Budenholzer, Backworld (Stephan Wolf)

Der Sonntag wartet mit einem Überangebot auf, das jeglicher Zurückhaltung Schamesröte ins Antlitz haucht. Was tun?! Nicht die Allerwenigsten zieht es ins Alte Landratsamt, um dort einem Festival im Festival beizuwohnen. Neofolk ist angesagt! Die spanischen Har Belex schlagen sich zum Auftakt mehr als wacker, hinterlassen einen guten Eindruck, der es indes nicht mit jenem aufnehmen kann, den anschließend Backworld hinterlassen. Joseph Budenholzer lässt samt eines herausragend agierenden Streichquartetts sämtliche Dämme der emotionalen Zurückhaltung brechen. Wer spätestens bei dem gemeinsam mit Rose McDowall vorgetragenen Devil’s Plaything keine Epiphanie verspürt, sollte sich mal auf sein Empfindsamkeitsdefizit überprüfen lassen. Rose McDowall selbst sowie die den Abend beschließenden Of The Wand And The Moon aus Dänemark haben Backworld noch vieles hinzuzufügen. Übertreffen lässt sich deren Auftritt jedoch kaum.

Und wieder in die Kuppelhalle des Volkspalasts gebeamt: The Blue Angel Lounge, das Harmonium fest im Griff – und mit Schlagzeug das Aufgebot der vor Wochen ins Land gegangenen Tour aufstockend – begeistern mit einem sich auf die eher getragenen Songs ausgerichteten Set. Die Kuppelhalle, sie gehört der Band aus Hagen. Auf die im Anschluss an das fantastische Konzert gestellte Frage, warum The Blue Angel Lounge nach der zwischenzeitlichen Auflösung wieder so gut beieinander sind, gibt Gitarrist Dennis Meyer eine plausible Antwort: „Weil wir Bock darauf haben.“ Bevor er auch den allerletzten Artikel seines Merch-Stands einem beglückten Fan veräußert.

Bleiben wir noch einen Moment vor Ort: Nachdem Anna von Hauswolff keine sonderlichen Probleme hatte, die Stimmung des vorangegangenen Konzerts aufrecht zu erhalten, spielten iLIKETRAiNs aus Leeds das bis dato wohl verbindlichste Konzert ihrer Karriere als Vermittler zwischen Post-, Art-, Wave- und Alternative Rock. Die gegebene Flächigkeit auf Basis einer mehr als einleuchtenden Lichtsetzung ausschöpfend, erweisen sie sich als gewachsene Band von höchstem Format, die sich allerdings kaum noch Luft nach oben gönnt. Na und?! Auf dem WGT darf man gerne auch mal über sich hinauswachsen.

Sangre de Muerdago (Stephan Wolf)

Sangre de Muerdago (Stephan Wolf)

Im heidnischen Dorf fordern semi-simultan Trollfest zur Wall Of Death auf. Die Ausgelassenheit der Band trifft auf die Bereitwilligkeit des Publikums. Und umgekehrt. Hoch die Hörner! Dass es Kauan aus Tscheljabinsk mit ihrem ausladenden Doom/Postrock im direkten Anschluss gelingt, das Publikum bei Laune zu halten, kann als Eigenheit des WGT verbucht werden. Das ist weder Toleranz, noch Akzeptanz. Es ist Liebe.

Da war doch (noch!) was?! Stimmt! Das „Mitternachtsspezial“! PIL! Mit einem betont rockig arrangierten Konzert weiß Johnny Rotten/John Lydon seine Einladung zu rechtfertigen. Laschheiten werden nicht geduldet, die Drums (Bruce Smith) kommen besonders vehement. This Is Not A Love Song klingt vertraut und frisch zugleich, der Bandleader scheint seinen Job mit Respekt zu verrichten. Sid Vicious ist absent.

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