Nachdem sich der polnische Komponist Tomasz Bednarczyk zwischenzeitlich einer ganzen Reihe von experimentellen Kooperationen gewidmet hat, kehrt er mit Nowhere (Room40) zu jenen Statuten zurück, die ihn bereits vor Jahren als leidenschaftlich agierenden Ambient-Künstler auszeichneten. In Wroclaw unter dem wieder angenommenen Moniker New Rome entstanden, knüpft Nowhere bei den direkten Vorgängern (Summer Feelings, Painting Sky Together) an, erschafft dabei jedoch eine eigenständige Welt aus dichten Atmosphären, offenen Subjektiven und prototypischer Nostalgie.

New Rome: "Nowhere" (Room40)
New Rome: „Nowhere“ (Room40)

Oder ist es gar eine gewisse Zeitlosigkeit, die Nowhere prägt und auszeichnet? Immerhin bleibt festzuhalten, dass den hier präsenten Klängen ein Vintage-Charakter anhaftet, mit dem die Angelegenheit ihre sensorische Faktizität auflädt und somit dem Potenzial romantisierender Retrospektiven zugute kommt. So es dem Hörer überlassen bleibt, den genießerischen Fokus zu bestimmen, dürften Geist und Sentiment eher dem Vergangenen nachhängen, als das noch Kommende mit Wunschdenken zu verklären.

Ab und an, so etwas beim Titeltrack, nähert sich Tomasz Bednarczyk dem allzu Wohligen an, doch zeichnet ihn die Fähigkeit aus, derlei Passagen stets wieder ins Ungewisse zu überführen. Er lullt ein, schärft somit den nostalgischen Blick, verzichtet aber auf eine überstrapazierte Apotheosen. So ihm auch mystische Gewalt – etwa die eines Dirk Serries (Vidna Obmana) – nicht zugesprochen werden kann, erfüllt das Album jeglichen Zweck, der ihm seine atmosphärische Eigenmächtigkeit vorschreibt.

facebook.com/bednarczyktom
room40.bandcamp.com
emporium.room40.org

dense.de

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