1961 – 2014: An Anthology Of Turkish Experimental Music

Eine Übersicht als Mahnung

Während sich die „moderne“ Türkei zunehmend als autoritär geführt, reaktionär indoktriniert und innerlich zerrissen erweist, schärft der überaus sachkundig kompilierte „Overview of Experimental and Electronic Music in Turkey“ (1961 – 2014: An Anthology Of Turkish Experimental Music) via Sub Rosa (Alive) Sinn und Sinne für die musikalisch äußersten Ränder einer vielfach verkannten Alternativkultur, die es in jedweder Form zu vernehmen gilt – und sei es auch nur als ein Zeichen der Solidarität. Wer dabei über die Diversität des Ausdrucks ins Staunen gerät, verbindet das Angenehme mit dem Notwendigen: der Unterstützung türkischer Subkultur durch Kenntnisnahme.

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1961 – 2014: An Anthology Of Turkish Experimental Music (Sub Rosa/Alive)

1961 – 2014: An Anthology Of Turkish Experimental Music (Sub Rosa/Alive)

Der Auftakt gebührt dem 1990 verstorbenen Bülent Arel, einem Pionier der türkischen Kontemporärklassik und elektronischen Musik, der 1962 mit Edgard Varèse bei dessen Déserts kooperierte. Das aus jener Schaffensphase stammende Postlude For A Sacred Service demonstriert nicht zuletzt die operationale Versiertheit eines Wegbereiters, der u. a. maßgeblich an der technisch-ästhetischen Weiterentwicklung von Loop-Techniken beteiligt war. Seine mobilisierende Tragweite sowie sein künstlerisches Vermächtnis lassen sich auf den sich anschließenden 28 – zuvor meist unveröffentlichten – Sampler-Beiträgen (auf 2 CDs / 2 x Vinyl) ratifizieren, wenn auch unter stark voneinander abweichender Nachvollziehbarkeit in Bezug auf eine gemeinsame Verwurzelung.

Mit Ausnahme von Bülent Arel, Mete Sezgin (Subconscious Memories, 1994), D2GG (3 Caki Tas, 1994) und Ilhan Mimaroglou (Prelude No. 17 – Istanbul Fog, 1996) wird der Zeitraum seit der Jahrtausendwende fokussiert. Die in rund fünfzehn Jahren entstandenen Kreuzungen zwischen Akademie und Avantgarde (es ist hier gar von einer „großen Welle“ türkischer Experimentalmusik die Rede) mögen – singulär betrachtet – einem separiert individuellen Ausdruck dienen. Doch in seiner Ausführlichkeit wirkt 1961 – 2014: An Anthology Of Turkish Experimental Music auch als Mahnung gegenüber der aktuellen Tektonik im Land, die der dritten Generation radikal alternativer Künstler und Musiker (Koray Tahiroglu, Volkan Ergen oder auch die hier leider nicht vertretene Ipek Gorgun) – trotz eines seit Bülent Arel in Istanbul und Ankara florierenden elektroakustisch-akusmatisch orientierten Hochschulwesens – kaum förderlich sein dürfte.

subrosa.net

dense.de

 

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