Meisterwerke der polnischen Musik XXVI

Sinn für romantischen Zauber

Als Schüler des seinerzeit revolutionären Symphonikers Zygmunt Noskowski tendierte Ludomir Różycki einerseits zu einer Ästhetik, die sich von den „Dogmen“ des Sonatenhauptsatzes und der traditionellen Tonsatzlehre emanzipieren wollte. Daraus aber, dass er im Anschluss an seinen Besuch des Warschauer Konservatoriums in Berlin Unterricht bei Engelbert Humperdinck nahm, erklärt sich der andere, konservativere Zug seiner Ausrichtung, der der so genannten neudeutschen Schule zu verdanken ist. Aus dieser erklärt sich auch Richard Strauss‘ Einfluss auf sein Schaffen, wobei er gleichzeitig einen Hang zum Impressionismus pflegte. 1905 gründete er zusammen mit zwei Vertretern der tatsächlich modernen Bewegung „Junges Polen“ 1905 eine Verlagsgesellschaft zur Edition eigener Werke.

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Das Haus des Komponisten Ludomir Różycki (1883 - 1953) im niederschlesischen Zachełmiu (2.9.2010, p.d.)

Das Haus des Komponisten Ludomir Różycki (1883 – 1953) im niederschlesischen Zachełmiu (2.9.2010, p.d.)

Nachdem der Sohn eines namhaften Pianisten von 1908 an drei Jahre als Dozent und Opernkomponist am Lemberger Konservatorium gewirkt hatte, zog es ihn wieder für einige Zeit nach Berlin, schließlich ging er erneut nach Warschau. Hier gründete er 1926 den polnischen Komponistenverband. Älteren nationalromantischen Tendenzen folgend bezog der zunehmend traditionsbewusstere Komponist auch Anregungen aus der polnischen Folklore. Spätromantische Tendenzen, zu denen auch eine Sympathie für Chopins, Tschaikowskys und Brahms‘ Klaviermusik kam, ließen ihn fortan einen lyrisch-expressiven Stil mit deutlich herausgearbeiteter Themenbildung pflegen.

Eine Gedenktafel erinnert in in der Kattowitzer ulica Sobieskiego 24 an den Komponisten (Michał Bulsa, 23.10.2010, p.d.).

Eine Gedenktafel erinnert in in der Kattowitzer ulica Sobieskiego 24 an den Komponisten (Michał Bulsa, 23.10.2010, p.d.).

Unwiederbringlich verloren sind etliche von Różyckis unveröffentlichten Kompositionen, die beim Brand seines Hauses infolge des Zweiten Weltkriegs in Flammen aufgingen. Und bedauerlicherweise fand auch die bekannte Ballettmusik Pan Twardowski von 1921 auf Tonträger bislang keine ausreichende Beachtung.

Jonathan Plowright nahm 2014 eine mehr als nur stimmig ausgefallene Interpretation von Rozyckis Klavierkonzerten in Angriff ... (B017MZSK70, Hyperion 2016, The Romantic Piano Concerto vol. 67).

Jonathan Plowright nahm 2014 eine mehr als nur stimmig ausgefallene Interpretation von Różyckis Klavierkonzerten in Angriff … (B017MZSK70, Hyperion 2016, The Romantic Piano Concerto vol. 67).

 

 

 

 

 

Das BBC Scottish Symphony Orchestra unter Łukasz Borowicz legte allerdings in diesem Jahr eine äußerst stimmige Interpretation seiner Klavierkonzerte Nr. 1 und 2 sowie der Ballade in G-Dur vor. Der beim Label Hyperion in der Reihe The Romantic Piano Concerto seit langem bewährte Solist Jonathan Plowright sorgt auch hier wieder für einen klaren, voluminösen und perlenden Ton, mit dem er den romantisierenden Charakter der Werke prägnant hervorzaubert und so den Vorlieben und Intentionen des Komponisten sicher nahekommt.

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler aus München; Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.