Thom Sonny Green - High Anxiety

Wellness-Angst

Am Freitag erscheint mit High Anxiety (Sudden/Infectious/[PIAS] Coop/Rough Trade) das erste Soloalbum des alt-j Drummers Thom Sonny Green. Unweit seiner Stammformation fahndet er nach zuvor verkannt gebliebenen Aspekten des zeitgenössischen Pop mit Anspruchsdenken. Um der Fülle seiner Ideen gerecht zu werden, vertraut er dabei dem Reiz der Kleinteiligkeit: Doch selbst nach 21 Tracks erweckt das Album insgesamt den Anschein, als wolle es vor allem über sich selbst hinausweisen und im Laufe der Zeit noch weiter wachsen.

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Thom Sonny Green: "High Anxiety" (Sudden/Infectious/[PIAS] Coop/Rough Trade)

Thom Sonny Green: „High Anxiety“ (Sudden/Infectious/[PIAS] Coop/Rough Trade)

Eine erste Assoziation: Thom Sonny Green klingt in etwa so, als habe Oneohtrix Point Never noch alle Tassen im Schrank. Schließlich dominiert auf High Anxiety trotz seiner hochtrabenden Diversität der Flow; notwendige Brüche werden sanft umgarnt und flutschen geschmeidig durch das Raster einer durchgängig gewählten Erzählform. Unaufdringlich, aber unverkennbar den eher schattigen Emotionen gewidmet, entsteht eine Anspannung, wie sie in etwa auch ein riskant kompilierter Blumenstrauß auszulösen vermag.

Das Album trägt seinen Namen also mit Fug und Recht, die 21 korrespondierenden Videos dürften wohl noch tiefer in die Kerbe des Ungemachs schlagen. Doch ist es ein recht wohliges Erleben, das der als solcher kaum zu erkennende Schlagwerker Green hier evoziert. Erst gegen Beginn des letzten Drittels erlaubt er sich einige enervierende Abweichungen von den Wellness-Parametern, dann gesellt sich Nervosität ins Stimmungsbild.

Die Produktion vielschichtig, flächig und sinnlich verschachtelt, erhält High Anxiety rasch eine architektonisch gedachte Gewandtheit, eine Aufführung in Sakralbauten böte sich an. Was Thom Sonny Green also seinem neu gegründeten Label (Sudden) mit diesem beeindruckenden Erstwerk voranstellt, dürfte nicht zuletzt auch für die zu erwartenden Label-Mates zur qualitativ maßgeblichen Fasson werden. Zumal auch jene Zeitgenossen, die alt-J eher indifferent gegenüberstehen, hier sowohl emotional als auch intellektuell fündig werden können. Der Ruf nach dem noch Mehr eilt fortan voraus.

thomsonnygreen.com
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