Man könnte angesichts der aktuellen Rockmusik deutscher Zunge verzweifeln: Rammstein-Epigonen, schlagereske Vordemenz, Altpunks auf jung. Wären da nicht Ost+Front, Ewigheim und, Trommelwirbel bitteschön, Unzucht! Mit Neuntöter (Out Of Line/Rough Trade, ab 2. September) lösen Der Schulz, Daniel De Clercq, Alex Blaschke und der stets bestens aufgelegte Toby Fuhrmann sämtliche Versprechen ein. Indem sie gängige Vorförmchen scheuen wie der Deibel das verhunzte Wasser, und sich nur auf sich selbst besinnen. Was für eine Wohltat!

Unzucht: "Neuntöter" (Out Of Line/Rough Trade)
Unzucht: „Neuntöter“ (Out Of Line/Rough Trade)

Letztlich egal, woher oder von wem es kommt: Unzucht besitzen eine unverkennbare Melodik, die sich, verdammt nochmal, runterbrechen lässt: Auf ergreifende Balladen, deren mächtig schiebende Halbbrüder – und auf präzise gestreuten, auf Nutzung geeichten Death Metal. Kurzum: Auf Neuntöter kommt zusammen, was nicht wackelt und dennoch Luft hat. Nur die Luft nach oben wird dünn … Gefundenes Fressen für den Schulz, samt seiner unvergleichlichen Stimme.

Kein Hauch von NDH, larmoyanter Gemütsduselei oder sinnentleertem Getröte: Unzucht erweisen sich auf Neuntöter als verbindlich, als um die Ecke denkend, dabei immens zugänglich und schlüssig. So sie selbst „Dark Rock“ als Emblem im Schilde führen, so erheben sie das diffuse Genre in neue Höhen. Live ohnehin eine Bank, auf Platte zuvor noch suchend, haben Unzucht hier zu sich selbst gefunden. Vor allem die in jedem Song, unabhängig vom Härtegrad, gesetzten Trademarks brennen sich ein: Nichts und niemand klingt wie Unzucht! Kübel von Lob ergießen sich über Hannover. (Nur Daniel braucht nicht immer so verkniffen gucken, an Jean Beauvoir kommst er nicht ran…) Twinker.

Tour im Herbst!!!

unzucht-music.com
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