Pfade durch die Musiklandschaft Australien XXXIII

Musica Soma

Immer wieder kommt es vor, dass sich Musiker mit einer bemerkenswerten Erfahrung etwa als Instrumentalisten autodidaktisch zu Komponisten weiterentwickeln: An prominenter Stelle für diese Spezies wäre im Frankreich des 19. Jahrhunderts Hector Berlioz zu nennen. Kein Wunder, dass er für manchen zielstrebig und schulmäßig Gebildeten eine ideale Zielscheibe der Kritik abgab. Dementsprechend wurde zu Beginn seine Orchestermusik von vielen als regellos, chaotisch und wild empfunden. Ähnliches mochte zeitweilig für die in Linsmore im australischen Bundesland New South Wales geborene Musikpädagogin und Pianistin Lynette Lancini, vormals Pratten, gelten, die sich überwiegend im Selbststudium ihre technischen kompositorischen Fertigkeiten aneignete. Ohne eine schon vorhandene kreative Ideenwelt wäre es allerdings beim bloßen Handwerk geblieben. Ihr Werkkatalog geht aber quer durch die (klassischen) Genres und zeugt von Neugier auf verschiedene Formen und Satzmuster.

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An ihre Studienzeit anknüpfend übernahm Lynette Lancini den Klavierpart in der Aufführung einer eigenen Komposition anlässlich einer Konzertreihe am Konservatorium im Jahr 2015 (en:User:Figaro 2006, Queensland Conservatorium of Music, South Bank Parklands, p.d.).

An ihre Studienzeit anknüpfend übernahm Lynette Lancini den Klavierpart in der Aufführung einer eigenen Komposition anlässlich einer Konzertreihe am Konservatorium von Queensland im Jahr 2015 (en:User:Figaro 2006, Queensland Conservatorium of Music, South Bank Parklands, p.d.).

In letzter Zeit machte sie durch die Aufführung und Einspielung von Invocation of the Whole Living Body von sich reden. Dieses Projekt bildet einen wichtigen Punkt in der kontinuierlichen Entwicklung ihrer Musik, die in den 1990er Jahren thematisch auf die Balance von „Herz“ und „Kopf“, dann auch auf die Beachtung somatischer Vorgänge in Verbindung mit einem ganzheitlichen Lebenskonzept ausgerichtet war. Nicht ohne  Grund arbeitet sie daher auch seit längerem als Aufmerksamkeitstrainerin. Ihr Ansatz ist kein völlig psychologischer, sondern beruht zu einem guten Teil auf Gene Gendlins Philosophie der Internalisierung und Fokussierung, deren Erkenntnisse einen Wechsel im Leben einer Persönlichkeit ermöglichen und erleichtern sollen.

Die Komponistin, Musikpädagogin, Pianistin und Fokusierungstrainerin wurde als Lynette Pratten in Lismore (NSW) geboren (Wilson River, Lismore, 25.4.2006; Peter1968, GNU Free Doc. Lic.).

Die Komponistin, Musikpädagogin, Pianistin und Fokusierungstrainerin wurde als Lynette Pratten in Lismore (NSW) geboren (Wilson River, Lismore, 25.4.2006; Peter1968, GNU Free Doc. Lic.).

Das um einen performativen Parameter zu ergänzende zweiphasige experimentelle Stück Invocation of the Whole Living Body von 2015 ist für Flöte, Violine, Vibraphon und Klavier gesetzt. Es kam im Zuge eines Konzertzyklus an Lancinis früherem Studienort, dem Konservatorium von Queensland, zur Aufführung. Die erste Phase bietet den Ausführenden die Möglichkeit, die Technik des Ein- und Ausatmens anzuwenden, während in der zweiten Phase das Spiel auf C-Dur-Basis frei dahinfließen kann. Mit Musica Soma hatte sich Lynette Lancini bereits thematisch dem weiblichen Körperzyklus zugewandt.

Lynette Lancinis veirteiliger Zyklus 'Centaur' bildet einen gewichtigen Teil des MP3-Albums 'Difference Engine' aus der Werkstatt des australischen Ensembles Topology (Februar 2011, Serrated Records).

Lynette Lancinis veirteiliger Zyklus ‚Centaur‘ bildet einen gewichtigen Teil des MP3-Albums ‚Difference Engine‘ aus der Werkstatt des australischen Ensembles Topology (Februar 2011, Serrated Records).

Eher typisch für die Arbeit von jungen Komponisten in Australien ist, dass Ihnen schon früh Konzertforen eröffnet werden: So profitierte Lancini in den 1990er Jahren aus der Zusammenarbeit mit dem Quintett Topology, aus dem 2003 der vierteilige Zyklus Centaur hervorging. Das Werk ist auf einer CD des Ensembles bei Serrated Records mit dem Titel Difference Engine zu hören. Zudem spielte nicht nur das Muses Trio Kompositionen von Lynette Lancini, sondern auch das Queensland Orchestra, 2005 etwa ihr Stück Overt Operation. Etliche Jahre zuvor, nämlich 1996, hatte bereits ihre so ganz andersartige vierzugminütige Märchenkammeroper FROG LOGIC dank der Übernahme durch die Staatsoper von Victoria und die Melbourne Theatre Company die Bühne des Musiktheaters gesehen.

 

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.