Lusitanisches Rätsel

Hinter den Initialen CC …

… verbirgt sich keine Ankopierung: Paul Dukas, der Schöpfer des Orchesterscherzos zu Goethes Zauberlehrling, zählte den hier gesuchten Südwesteuropäer zu seinen Schülern in Paris. Trotz eines gewissen Schwerpunktes auf den vokalen Gattungen, unter denen er besonders die Besetzung mit Chor und Orchester bedachte, betätigte sich der in Porto geborene Komponist ebenso in diversen Sparten der symphonischen Musik wie er zeitweise Kammermusikbesetzungen für Streicher favorisierte und das Solo-Repertoire der Harfe mit Andaluza (1920) oder der Bratsche mit Ausência (1926) um wichtige Beiträge ergänzte.

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Im Hafen von Porto, der Geburtsstadt des Komponisten, wo er auch als Direktor des Konservatoriums wirkte (Luis Miguel Bugallo Sánchez, 29.9.2005, CC-Liz.).

Im Hafen von Porto, der Geburtsstadt des Komponisten, wo er auch als Direktor des Konservatoriums wirkte (Luis Miguel Bugallo Sánchez, 29.9.2005, CC-Liz.).

Weit darüber hinaus gingen dessen Klavier-Solowerke, Jogos florais (1934), Arpa Eolea (1948) oder Bailadeiras (1946). Wie für José Viana da Mota und Francisco de Lacerda gilt auch für ihn, dass er sich sowohl an spätromantischen wie impressionistischen und expressionistischen europäischen Vorbildern orientierte.

Der Bruder des gesuchten Komponisten schuf 1917 ein bedeutendes Portrait von diesem am Klavier stehend (Foto von Henrique Matos, p.d.).

Der Bruder des gesuchten Komponisten schuf 1917 ein bedeutendes Portrait von diesem am Klavier stehend (Foto von Henrique Matos, p.d.).

Eine weitere Vorliebe des Komponisten mit den Initialen CC, zu dessen unmittelbaren Verwandten zwei in Portugal bedeutende Kunstmaler zählten, galt dem Kammerorchester, für das es in Portugal schon im 19. Jahrhundert größere Foren und ein entsprechendes Hörerpublikum gab. Er schrieb sowohl für Chor und Kammerorchester, wofür das 1943 veröffentlichte Três barcos passam no Rio – Drei Schiffe ziehen auf dem Fluß vorbei – als auch rein instrumentale Werke wie Improviso sobre uma cantiga do Sul (1939) neben den im gleichen Jahr komponierten Corelli-Kreisler-Variationen stehen.

Die CD mit Kammermusik für Violoncello (Bruno Borralhinho) und Klavier (Luísa Tender) von portugiesischen Komponisten des 20. Jahrhunderts enthält auch einen Beitrag des Gesuchten für die Gattung (B0032HKEJ0, Dreyer-Gaido / Note 1, 2010).

Die CD mit Kammermusik für Violoncello (Bruno Borralhinho) und Klavier (Luísa Tender) von portugiesischen Komponisten des 20. Jahrhunderts enthält auch einen Beitrag des Gesuchten für die Gattung (B0032HKEJ0, Dreyer-Gaido / Note 1, 2010).

 

 

Zu dem in seiner Heimat sonst eher stiefmütterlich bedachten Repertoire für Streichorchester trug er mit seinem früh entstandenen Prelúdio, Coral e Fuga (1918/20) bei, einem heiteren Einfall folgte er mit seinen Barcos de papel („Papierschiffe“, 1941) und griff mit seiner Galharda (1959/60) auf einen alten Tanz zurück. Eher ungewöhnlich nimmt es sich aus, dass CC bereits von 1917 an und beinahe durchgehend bis zu seinem Tod 1963 extensiv Musik für gemischten Chor und Frauenchor schrieb, zum Beispiel Dizem? (1948) nach Fernando Pessoa, nur zwei Stücke hingegen für reinen Männerchor. Mittlerweile liegen weit mehr als 20 Einspielungen aus seinem Gesamtoeuvre vor.

 

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.