Es wäre ein leichtes Unterfangen, Avec und ihr Debüt What If We Never Forget (Earcandy/Soulfood) als Erbauungsmusik für distinkt weiblich determinierte FurchtverwalterInnen abzuhalftern, die vor lauter Vorbehalt und Selbstmitleid stets aus der emotionalen Kurve getragen zu werden drohen. Das ständige Fixierung auf die eigene Verletzung gefühlter Natur könnte gehörig auf die Nerven gehen. Käme Avec nicht daher und träfe ins Herz – etwa anlässlich eines Sonnenaufgangs am Wieker Bodden mit Blick auf Hiddensee. Wenn die Frühwerke von Nana Mouskouri und Rainhard Fendrich längst verklungen sind.

Avec: "What If We Never Forget" (Earcandy/Soulfood)
Avec: „What If We Never Forget“ (Earcandy/Soulfood)

Die dunkelsten Ecken der Zuhörer will sie mit ihrem Album ausleuchten. Doch übersieht sie dabei all die Verwesung, die sich dort zu befinden hat. In Weichspüler getüncht, verwechselt die Österreicherin Leonard Cohen mit den unzähligen Pendants, die Frauen gemeinhin und solidarisch als gut und korrekt zu befinden haben. Doch diese Empfindsamkeit  macht Spaß. Wenn auch eventuell am falschen Ende jener Fahnenstange, an der sich die Zielgruppe entrüstet.

Wer nun meint, dem Rezensierenden Misogynie unterstellen zu müssen, kennt nicht das Gefühl, beim Gang zum Händewaschen zahlreiche Psychopharmaka erblicken zu dürfen, die schüren, was sie zu vermeiden trachten. Zum Mitschreiben: What If We Never Forget ist ein wunderbares, tolles, überlegt überlegenes Album. Regt aber leider auch zum Nachdenken an. Zum Vergessen. Zum Lieben.

Avec tourt!

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