Interview mit Paolo Ga'Iba Riva (PGR)

„Stagnation nervt”

PGR at Noise Testament Berlin (Stephan Wolf)

PGR at Noise Testament Berlin (Stephan Wolf)

amusio: „Spätestens jetzt drängt sich die Frage nach deinem persönlichen Werdegang auf…“

Paolo Ga’Iba Riva: „Ich stamme aus Monza, bin in Mailand aufs Konservatorium gegangen, bin studierter Jazz-Bassist. In Mailand habe ich gelernt, wie Musik zu funktionieren hat. Was hat mich das angeödet! Um nicht zu sagen – angekotzt!“

Huébault Imm: „Das ging mir in Paris nicht anders. Man lernt und lernt. Doch nur zum Zweck der Wiederholung. Der bestmöglichen Wiederholung, selbst im Jazz-Modus der Improvisation. Der Geist der Musik als Inspiration für das zuvor noch nicht Dagewesene bleibt dann zwangsläufig auf der Strecke. Regularien mögen für vergangene Musik wichtig gewesen sein. Ich werde meine etwa am Schlagzeug erworbenen Kenntnisse nicht dazu verwenden wollen, allein alten Idealen zu huldigen.“

Paolo Ga’Iba Riva: „So sehe ich das auch. Darum bin ich nach Norwegen gegangen. Dorthin, wo die nicht konforme Szene deutlich besser ausgebildet ist als etwa in Italien. Aber Norwegen gefällt mir auch als Land. Die Natur dort. Was mich dann wieder dazu gebracht hat, intensiv Field Recordings zu betreiben.“

amusio: „Bei deinem gestrigen Vortrag war von denen aber nicht viel zu hören…“

Paolo Ga’Iba Riva: „Nur weil ich mich mit etwas beschäftige, muss es ja nicht gleich in das einfließen, was ich im Rahmen eines Noise-Festivals zum möglichst Besten bringe (lacht). Ich arbeite am Noise und an freier Improvisation. Das Interesse an Field Recordings mag da allein der technischen Natur geschuldet sein.“

amusio: „Das Erstellen und den Einsatz von Field Recordings mal außen vor: Tendierst du nicht auch dazu, den Lärm und die Improvisation, die sich ja auch in so genannten leisen Tönen manifestiert, zu amalgamieren?“

Paolo Ga’Iba Riva: „Nicht absichtlich. Wenn ich den so genannten Lärm erzeuge, hat diese Erzeugung allenfalls unterschwellig etwas mit dem zu tun, was ich als Bassist in einer Free Jazz Combo mache. Der von dir angesprochene Crossover ist nicht Gegenstand meines Interesses. Lieber will ich beide Bereiche separat ausloten. Wenn sie irgendwann aufeinandertreffen, so soll es mir recht sein. Aber ich arbeite nicht darauf hin. Zumindest nicht bewusst.“

Huébault Imm: „Das wäre auch kontraproduktiv. Wenn allein Fertigkeiten das Kreative anleiten, läuft man doch Gefahr, vor allem auch als klassisch ausgebildeter Musiker, irgendwann Prog zu imitieren und umgekehrt, … also Formalismen zu oktroyieren.“

PS.: Auch bei Facebook? Dann werde Fan von amusio!