Wang Wen - Sweet Home, Go!

Zeit und Zwang

In den mittlerweile 17 Jahren ihrer Existenz haben es die chinesischen Postrock-Pioniere Wang Wen vermocht, sich einen Stellenwert zu verschaffen, der jeglichen Dünkel gegenüber ihrer Herkunft längst hat verstummen lassen. Mit Sweet Home, Go! (Pelagic Records/Cargo), ihrer neunten CD, gelingt es ihnen erneut, ihrer markanten und hochgradig ziselierten Vision klanglicher Überhöhung von Gefühl und Intellekt geerdete Geltung zu verschaffen.

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Wang Wen: "Sweet Home, Go!" (Pelagic Records/Cargo)

Wang Wen: „Sweet Home, Go!“ (Pelagic Records/Cargo)

Eingefasst von einem aufwändigen Artwork in auch haptisch sinnstiftender Verpackung zelebrieren Wang Wen große Gesten mit noch größerem Aufwand. Die Arrangements aus Rock-Instrumentarium, Streichern, Geblasenem und eigentümlich eingesetztem Piano schöpfen aus der Kraft der schieren Überfülle. Doch gemeinsam mit den Produzenten Lode und Wouter Vlaminck vermögen es die Chinesen – in nicht nur stellenweise berückender Manier – ihr Vermögen eben nicht überzustrapazieren.

Vielmehr bildet die Fülle der Zwischentöne die eigentliche Basis für die Entfaltung der jeweiligen Leitideen. Dass sie hierzu alle Zeit, die eine CD so zu fassen imstande ist, nahezu vollständig ausnutzen, mag zwar dem aktuellen Trend zur pointierten Kürze entgegenlaufen, erweist sich aber angesichts der kompositorischen Kondition als einzig probates Verfahren, um einen letztlich adäquaten Effekt sämtlicher Anmutungen zu gewährleisten.

Erst auf diese Weise wird merklich, wie das Tempo immer weiter zurückgenommen wird, bis sich ein proto-katatonischer Zustand als ultimative Auflösung von all dem erweist, was Sweet Home, Go zuvor lautmalerisch in ein diffuses Licht aus Erwartung und Ernüchterung zu rücken gewagt hatte. Soviel Zeit muss sein.

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