Yann Tiersen - Eusa

Überall und nirgends

Yann Tiersen hat in seinem bisherigen Schaffen nie einen Hehl aus seiner Heimatverbundenheit gemacht. Um eine Art akustische Kartographie „seiner“ bretonischen Insel Eusa (franz. Ile d’Ouessant) zu erstellen, setzt er auf der gleichnamigen Veröffentlichung ([PIAS]Coop/Mute/Rough Trade) entschieden auf die Reduktion, aufs Solo-Piano – eine Selbstbeschränkung, wie sie angesichts der zuletzt doch eher an Vollmundigkeit und Opulenz ausgerichteten Werke nicht unbedingt zu erwarten war.

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Yann Tiersen: "Eusa" ([PIAS]Coop/Mute/Rough Trade)

Yann Tiersen: „Eusa“ ([PIAS]Coop/Mute/Rough Trade)

Sporadisch und dezent verwobene Field Recordings sowie zu Beginn und gegen Ende des Albums rezitierte Verse der angestammten Poetin Anjela Duval mögen einer authentischen Verortung des Geschehens zuträglich sein.

Doch letztlich können die dezidiert impressionistischen Klavierstücke des mittelalten Meisters kaum über die Erkenntnis hinwegtäuschen, dass Eusa potenziell überall aufzufinden ist. Und eben auch im sentimental aufgewühlten Gemüt eines Hörers an einem verregneten Sonntagnachmittag, um ein naheliegendes Klischee der vermutlich bevorzugten Rezeptionssituation zu bemühen.

Sicher mag man sich das verhältnismäßig raue Klima und die Abgeschiedenheit der Insel imaginieren. Doch greifbar oder gar verbindlich wahrnehmbar wird Yann Tiersens deskriptiver Ansatz kaum. An authentischer Volksmusik und gezielt gesammelten Field Recordings führt wohl doch kein Weg vorbei, um auf rein akustischen Wegen Identität von Ort und Ausdruck herzustellen. Das muss wohl auch Yann Tiersen einsehen, wiewohl Eusa im Vergleich mit den zahllosen „verträumten“ Solo-Pianisten der „Contemporary Classic“ vorzüglich abschneidet. Setzt schon mal Teewasser auf. Oder – ist etwa schon Rotweinzeit?

yanntiersen.com
eusasound.bzh
facebook.com/yanntiersen.official

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