Der Primitive Streak zu Beginn von 1 (Constellation Records/Cargo) mag nicht darüber hinwegtäuschen: Das Album des kanadischen Komponisten, Produzenten und Songwriter Sandro Perri ist ein mehr als seriöser Versuch, das heitere Spiel mit Vintage-Synthesizern einer Atmosphäre zu opfern, deren Ernst sich durchaus das Präfix des Todes zu eigen machen kann. Eine tückische Taktik.

Off World: "1" (Constellation Records/Cargo)
Off World: „1“ (Constellation Records/Cargo)

Der piepsig jaulende EMS Synthi von Primitive Streak weckt Assoziationen an ein Fliwätüüt in seinen letzten Zügen. Oder an so manch andere niedliche Maschine aus dem Kinderprogramm, die an den Folgen einer nicht einsetzen wollenden Pubertät zerbricht. So lächerlich dieser Sound zum Einklang auch wirken mag: Im weiteren Verlauf zieht Sandro Perri sein olles Instrumentarium (Syntorchestra, Prophet 5) unerbittlich auf die Spur, hinein in den Ernst eines kargen Lebens, in dem Spielplätze längst zu Hinrichtungsstätten der Unbeschwertheit verkommen sind.

Dabei verwebt der Mann aus Toronto die Wiederbelebung seiner Gerätschaft mit bereits vorab verabredeten Resultaten diverser Kollaborationen. So etwa mit Drew Brown (nicht der von One Republic, sondern der Produzent von zuletzt Motion Graphics oder Blonde Redhead), wodurch sich ein Aufgriff von vorheriger Kompagnie – Impossible Spaces (2011) – ergibt: Im Spannungsfeld aus Gnadenhof und zahlreichen Sprengseln vitaler Akustik, zu der sich sogar ein Banjo gesellen darf.

Doch Obacht: Was in zwei Tagen unter der Leitung des auch als Polmo Polpo reüssierenden Musikers entstand, entwickelt erst gegen Ende (Wonder Farm) wieder eine vage Unbekümmertheit. Zwischen dem Jammern des Fliwatüüts und dem relaxten Jam zum Schluss erstreckt sich eine interessant verworrene Ödnis, die nicht zuletzt dem Projektnamen die Ehre erweist.

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